Ein Tag in Kapadokya…

Kapadokya, 8:53, Tag 756

Heute Nacht bin ich aus einem Tunnel voll mit fast allen meinen Exfreundinnen geflüchtet. Zusammen mit Gu auf einem Moped. Wenig später wurden wir von zwei, dann drei Polizisten verhört und beschuldigt „irgendwie“ einen Auffahrunfall verursacht zu haben. Ich hatte nichts bemerkt, der einzige Zeuge log offensichtlich. Die Polizisten waren aber von unserer Schuld überzeugt. Nach endloser und fruchtloser Diskussion, in der wir nur Fragen stellten, um die Unlogik aufzudecken, schmissen wir sie raus und verwiesen auf einen noch zu findenden Anwalt. Ich wachte sehr spät auf, der Start war entsprechend hektisch.

Nun sitzen wir wieder im Bus, das Internet hier ist erstaunlich schnell auch ausserhalb von allen Dörfern oder Städten, viel schneller als in Berlin. Gestern hab ich schon viel auf Facebook und auch wieder in den Photostream nebenbei gepostet. Immer, wenn wir zum nächsten Highlight fuhren. Facebook ist aufwendiger, Photostream geht aufm iPhone super einfach und schnell. Ich habe auch aufgehört, meinen Workflow in Camera+ auf jedes Foto anzuwenden, bin jetzt also fast puristisch unterwegs. Ich fotografiere quadratisch, wegen der Wiederverwendbarkeit in Instagram und wende kaum noch meine Filter an. Fühlt sich viel besser an. Liegt wohl aber auch daran, dass ich die Überarbeitung der im neuen iOS 7 eingebauten Kamera App sehr schätze.

Dazu hatte ich für die grossen Highlight auch noch die mittlere Kamera, meine OM-D, mit dabei. Da aber das Transferkabel und auch ein Kartenleser zu Hause geblieben sind, kann ich Euch noch nichts von diesen Aufnahmen zeigen. Ach, falls Facebook mal pleite geht oder Apple, knalle ich Euch alle Bilder einfach auch noch mal hier in meinen Blog.

Also, viel Spass damit und Euch allen einen grossartigen Sonntag gewünscht…

Kurze Zwischenmeldung…

Kapadokya, 8:30, Tag 755

Heute Nacht habe ich ganz gut geschlafen und wild geträumt. Es ging um den Zieleinlauf einer brutalen Verfolgungsjagd in einer futuristischen Strasse, mit Kollegen. Aber ich konnte sehr lange nicht einschlafen, so dass mir immer noch etwas Schlaf fehlt.

Es gibt grosse Übungen hier: Erstens, die Butterfahrtelemente unserer Tour aushalten. Vorbei gefahren zu werden an grandiosen Städten, unglaublichen Natur- und Menschenwundern im Bus. Und dann im Nirgendwo zum Essen und Shoppen angehalten zu werden. Dann gehts weiter zu zwei grossen Sehenswürdigkeiten: einmal 40, dann 20 Minuten zum Fotografieren. Reicht doch? Da werd ich grade wütend und traurig. Die ganze Gruppe hier, schrammt immer haarscharf an der Meuterei vorbei.

Ich glaube, das sind die Folgen des schwach regulierten, sehr starken Wachstums der Türkei in den letzten Jahren. So viele Menschen hier können sich endlich solche Touren leisten: und werden gnadenlos abgezockt. Und zwar von ihren eigenen Landsleuten, die ja auch nur vom Boom profitieren wollen. Das erste Mal, dass ich laut nach Regulation rufe, dass ich die Vorteile von Regulation so begreifen kann. Einfach auch um solche Gegenden hier nicht zu verschandeln, zu entstellen mit immer neuen Touristenfallen.

Das Zweite sind die unglaublichen Motive, die ich hier NICHT fotografieren kann. Der Himmel hier inmitten des Kontinents, inmitten der Türkei ist so dramatisch, so anders, so wunderschön. Das ist jetzt aber nur der Nachteil jeder Gruppenreise, jeder Tour. Ich muss einen Grossteil meiner Selbstbestimmung, meiner Neugier und Entdeckerdranges zügeln. Ich muss einfach am Fotomotiv des Jahrhunderts, an Wolken, Himmel, Sonne, Landschaft, Motiv vorbeifahren, und nicht anhalten. Die Chancen ziehen am laufenden Band vorüber, vorbei für immer.

Auch heute das gleiche. Ich würd‘ am liebsten die ganzen Kuriositäten aufzählen, die uns gestern schon passiert sind. Aber das bringt ja nix. Noch kann ich nicht drüber lachen, bin noch mitten drin. Aso, hier gibt es einen Link zu meinem Photostream, in den ich ab und zu ein paar Motive hoch lade. Die richtige Fotoshow der Bilder, die ich trotz dieser Umstände machen konnte, kommt erst später.

So, nun schau ich jetzt -trotz allem- lieber weiter aus dem Busfenster, als hier ins Laptopfenster. Wünsch Euch einen angenehmen Freitag!