Patent-Treffen in Hamburg

Gestern war ich viel unterwegs. Hab Abends an einer Veranstaltung der Handelskammer Hamburg teilgenommen. Da war ich vor ein paar Jahren schon mal. Ist ein jährliches Dankeschön an die Patentanwälte der Hansestadt, die kostenlose Erfinderberatungen im IPC – dem Innovations- und Patentcentrum anbieten.

Traditionell kommt sogar die Präsidentin des DPMA, nur gestern nicht, da wurde sie vom Vizepräsidenten vertreten. Ich finde solche Veranstaltungen immer wieder spannend, völlig neue Leute, neue Themen, neue Impulse. Hat sich gelohnt! Danke an die Kollegen im IPC Hamburg für die Vorbereitung und die nette Betreuung während des Abends.

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Unten dran meine Mitschrift auf dem iPhone während der Vorträge, mit twittern kann ich immer noch nicht, aber die Sachen, die ich höre und die hängen bleiben, incl. ein paar Bilder, das kriege ich schon aufgeschrieben. Kleine Warnung: das ist sicher eher was für Patentfachleute und nicht für den Laien.

 

31. Patent-Treffen in Hamburg

martin dehn (vorsitzender hk arbeitskreis patente und lizenzen)

begrüssung der teilnehmer

hamburg bekommt eine der vier deutsche lokalkammern des europäischen patentgerichts

zitiert aus schreiben ihk hamburg, schreiben ihk nord an bmj wg. werbung zur einrichtung der lokalkammern, die zum erfolg führten

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günther schmitz (vizepräsident des dpma)

hat in hamburg an bw uni maschinenbau studiert (vor 40 jahren), hat sich in hh zur fachkraft für arbeitssicherheit weitergebildet

2015: 66 889 anmeldungen, rekord seit 1981 (seit neuem patentgesetz mit aufgeschobener prüfung, zahlen vorher nicht vergleichbar)

wachstum durch auslandsanmeldungen, inland seit 2009 mit 47.300 im inland stabil

hamburg: olympus, airbus, beiersdorf
46 anmeldungen je 100k einwohner, platz 3,
absolut: platz 9
a61, b64, f03, b66
windkraft: f03d, schiffe: b63 sehr geringe bedeutung
prüfungsverfahren:

eingang 43.397 vs erledigungen 33.483
= +9.914 stand 3/2016

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marken: +11,4% in 2015
hamburg: ndr, tschibo, desmoid, bauer g+j
absolut: platz 7, 205 je 100k einwohnern platz 1

gbm: verringerung auf ca 14.700

ausflug gebrauchsmustergesetz
ab 1. Juni 1891, ab 1.10.1981 in kraft
arbeitsgeräthschaften
ab 5. Mai 1936 erfordenis schutzanspruch, zeichnung
ab 7. März 1990 abschaffung des raumformerfordernisses, technische erfindungen ohne verfahren: kleines patent

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interessant bei vorbenutzungen oder vorveröffentlichungen, gbm ist immer abzweigbar aus einem anhängigen patent mit geringen kosten, schneller eintragungen und als nationales schutzrecht in wenigen ländern verfügbar

aktuelles zum einheitspatent
in kraft: ca 05/06 2017

ende 2015:
einigungen über gebühren, verteilung: 50% der gebühren werden vom epo an die länder per schlüssel verteilt (komplex)
jetzt: operative einführung

18. verfahrensordnung ca gegen ende 2016
ratifizierungen schreiten voran: ungarn, italien, uk und nl in 2016, in dt liegen zwei referentenentwürfe zur ratifizierung vor, parlamentarisches verfahren zur einführung des epgü notwendig

michaela opfer (leiterin projekt: einrichtung und betrieb der lokalkammer hamburg)

agenda:
rechtsgrundlagen, aktueller stand
vergleich einheitspatent vs bündelpatent
aufbau u zuständigkeit des EPG

a. einheitspatentsverordnung nr 1257/2012
schaffung des patentschutzes (ohne spanien, kroatien)

b. sprachenverordnung nr 1260/12
übersetzungserfordernisse

c. völkerrechtliches übereinkommen EPGÜ
schaffung gerichtsbarkeit

tritt 4 monate nach ratifizierung in kraft
(mind 13 länder, darunter de, dk, fr, aktuell haben 19 ratfiziert, darunter fr)

über 400 punkte in verfahrensverordnung

ab mai/16 starten die bewerbungsverfahren der richter (über 1.600 bewerbungen schon im interessenbekundungsverfahren)

unterschiede zw ep und up

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aufbau und zuständigkeit

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multinationale besetzung

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danach viele, viele details über u.a. zuständigkeiten und sprachen und vertretungsbefugnisse, dann verfahrensabläufe (schriftliches verfahren, zur vorbereitung einer mdl verhandlung, die nur einen tag dauert)

bsp für gerichtskosten bei verletzungsklage, kosten bei 1 mio streitwert:

festgebühr 11.000€ + streitwertabhängige gebühr 5.000€

bei nichtigkeitsklage: festgebühr 20.000€, keine streitwerabhängige gebühr

aber achtung, bei der erstattung von vertretungskosten:
bei 1mio € streitwert bis zu 112.000€

standort:
innenstadt, im ziviljustizgebäude
nutzung des plenarsaals des landgerichts für verhandlungen

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diskussionsrunde

frage: was passiert bei einem brexit? gibt es schon eine plan b oder ein szenario für diesen fall.

antwort hr schmitz: nein, kein plan b, sondern (lt fr. hubig, bmjv) stillstand und bestandsaufnahme

antwort fr opfer: ratifizierung ist schon durch die beiden unterhäuser in uk, ratifizierung kann trotz brexit erfolgen, aber übereinkommen funktioniert nur mit uk, mind zwei jahre stillstand, keine lösung, jeder hofft

frage: warum machen die spanier nicht mit?

antwort fr opfer: weil spanisch in sprachenverordnung nicht vorkommt

frage: sind technische richter einzelpersonen?

antwort fr opfer: es wird einen pool von ca 50 technischen richtern mit verschiedenen sachgebieten geben, die optional den verfahren besitzen und in allen lokal kammern eingesetzt werden.

frage: werden die nationalen anmeldezahlen durch das ep sinken?

antwort schmitz: das nationale schutzrecht wird gestärkt werden, ist aber kaffeesatzleserei. das nationale patent wurde bei einführung des bündelptents schon für tot erklärt, ist nicht eingetreten. gleiches ist bei der gemeinschaftsmarke passiert. gründe für beliebtheit des nationalen schutzrechts sind nicht ganz klar. persönliche meinung: das ep ist ein patent für internationale anmelder, eher nicht für den europäischen anmelder. wir sind überzeugt, wir bleiben wichtig. ziel bleibt es: alle erstbescheide und prüfungsbescheide im prioritätsjahr zu erledigen.

frage: wann erfolgt endlich fristenangleichung beim dt patent?

antwort schmitz: nicht in dieser legislatur wg ep, wir sind vom bmjv aufgefordert, einen vorschlag zur verschlankung und modernisierung des patentgesetzes unter beibehaltung der vorteile zu machen.

frage: 125 jahre jubiläum gbm, anektote und frage. empfehlung an mandanten: ep + gbm mit rechercheantrag, aber antwort bei gbm ist erst nach erteilung des ep patents erfolgt. wird das gbm vom dpma nicht wichtig genommen?

antwort schmitz: nein, stimmt nicht, aber in manchen technologiebereichen sind die prüfer überlastet. aber bitte nehmen sie verbindung mit uns auf, und bitten um bevorzugung. stumme anmelder sind problem für den prüfer bei der priorisierung.

begrüssung staatsrätin fr katja günther

katja günther (staatsrätin der justitzbehörde hamburg)

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entschuldigung für verspätung. dank für den einsatz der hk für einsatz für lokalkammer. stärkung des rechts- und erfinderstandorts hamburg.

frage: wer finanziert die lokalkammer? vor allem wegen der geringe gebühren?

antwort fr günther: geld ist schwierige angelegenheit und oft flüchtig. für sieben jahre wird hamburg in vorleistung gehen, die einnahmen gehen an den bund. hamburg möchte den rechtsstandoet stärken, die lokalkammer steht uns gut zu gesicht.

hr dehn bedankt sich und eröffnet das italienische buffet.

Über Neuerungen in der Befestigung- und Herstellungsweise künstlicher Nasen…

Heute Nacht erinnere ich mich mal ausnahmsweise nicht mehr an meine Träume. Selbst als ich mitten in der Nacht wach wurde und auch als mich der Wecker dann weckte, hatte ich nur eine ganz leichte Erinnerung daran, etwas geträumt zu haben. Ich war sehr müde gestern Abend, die Tage sind schön voll und herrlich intensiv…

Gestern war ich in Hamburg, bei der Handelskammer. Genauer beim dortigen Innovations- und Patentzentrum, dem IPC Hamburg zu Besuch. Ich bin rein, am Pförtner vorbei, der nicht mal grüßte und suchte im 1. Stock das Büro von zwei mir bekannten Kollegen und landete hier:

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In einem riesigen alten Rollregalarchiv, welches schon größtenteils leer geräumt war. Aber so, wie hier oben auf dem Bild sieht dort der Flur zu den Büros der Kollegen wirklich aus.

Nun bin ich ein schrecklich neugieriger Mensch, der sich – solange er keine Warn- oder Verbotsschilder sieht oder erinnert – einfach mal umschaut. So auch gestern, als ich wieder aus dem Büro raus trat, lief ich ganz unwillkürlich in das Regal hinein und fand das hier:

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Drei Patentschriften, genauer Offenlegungsschriften, was so etwas ähnliches wie die Veröffentlichungen des Antrages auf ein Patent sind. Eine von Siemens, eine von Phillips und eine von IBM aus den 60iger Jahren des vorigen Jahrhunderts (wie das klingt, es war das Jahrzehnt vor meiner Geburt im Jahre Anno 71;)

Es drehte sich um Erfindungen runnd um den Lochstreifen und Magnetkarten, die die IPC Kollegen dort wohl vor der Vernichtung oder der Verlagerung ins Kellerarchiv (welches ich später auch noch besichtigen konnte) bewahrt hatten. Was für ein Zufall!

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Hier die Hauptzeichung aus dem Patentantrag von IBM und der Link auf das Dokument in DEPATISNet.

Ich find das absolut grossartig, dass das IPC die komplette – nochmal: die komplette- deutsche Patentbibliothek noch auf Papier im Keller hat. Für mich ist das ein riesiger Schatz, der erhalten werden sollte. Nach meinem Termin habe ich darum gebeten, mir das mal anschauen zu dürfen und meiner Bitte wurde statt gegeben.

Hier also der Gang in das Archiv, sorry für die schnellen Schwünge, ich übe noch!

Dann habe ich ein wenig rumstöbern dürfen und ein paar Fundstücke für Euch fotografiert. Ich hab alle Bilder beschriftet, das spassigste war Patent No. 10543 von L. Fleischhauer aus Halle a.S. über Neuerungen in der Befestigung- und Herstellungsweise künstlicher Nasen vom 12. Februar 1880.

Beim nächsten Besuch bin ich wieder im Keller und werd wieder ein paar historische Fundstücke für Euch heraus suchen.

Wünsch Euch noch einen tollen Tag, wenn auch leicht verspätet… 😉

Kurzer Bericht und das Video von meinem grossen Auftritt auf der #EPOPIC

Hamburg, 7:21, Tag 400

Heute erinnere ich keinen Traum nach einer wieder nur sehr kurzen Nacht.

Ich wollte deutlich darauf hinweisen, dass ich wirklich gerade Tag 400 eben dort oben geschrieben habe. Bin dankbar und ein bisschen beeindruckt dieser immer größer werden Zahl. Tagtäglich zu schreiben fällt mir immer leichter, es gehört jetzt einfach dazu. Aber zu den schwachen Tage zu stehen und sich von den stärkeren überraschen lassen, das ist immer wieder jeden Tag meine Aufgabe. Dieses Experiment hier verändert und beeinflusst mein Leben sehr stark, es ist auch ein grosser Teil meines Lebens. Eine tägliche Routine, ein tägliches Investment…

Denn erst Persistenz, das Dranbleiben erzeugt das Momentum für wirkliche Veränderung, wie ich sie gerade bei mir auch beobachte. Früher waren mir meine wiederkehrenden Muster, also die Verhaltensweisen, die meinen (Miß)Erfolg bei einem Thema, im Beruf, bei der Liebe, im Leben ausmachen nicht bewusst. Ich hatte dafür nur das Konzept harter Arbeit im Kopf. Erst wenn Du hart genug für etwas arbeitest, dann wirst Du Erfolg haben.

Aber eigentlich ist es so, dass dieses Konzept Arbeit – von der Wertung „hart“ und der Einschränkung „Arbeit“ befreit – auf jede Tätigkeit, im Sinne von tätig sein, in meinem Leben anwenden kann. Das was ich tue, macht mich aus, das erzeugt mich. Der Konsequenz dieses Konzeptes kann niemand entgehen. Meine Taten sind der Boden, auf dem ich stehe.

Gestern war mein grosser Auftritt auf der EPO Patent Information Conference 2012!

Der Mitschnitt hat geklappt, hier das Video.

 

Ein paar Korrekturen: ich habe zwei mal Spotify gesagt, das zweite mal, habe ich Netflix nur gedacht. Dann, mein Vater war natürlich Chef der Rinderproduktion der LPG und wir hatten über 2.000 Jungrinder (nur in meinem Dorfteil stand ein kleiner Stall mit 400 Rindern, nicht Kühen), er war somit auch fürs Controlling zuständig, ich habe oft mit ihm Gewichtstabellen erstellt bei der jährlichen Inventur, bei der alle Rinder gewogen wurden, deshalb wohl meine Spreadsheet Macke. Ach, und Ali habe ich nur zugeschaut, wie er ’91, vermutlich eher ’92 oder gar erst ’93 Linux installiert hat. Und klar, ein Tweet wird nicht geteilt, er wird ge“retweetet“. Und ich wollte eigentlich so vieles, so anders sagen… aber, ok. Raus damit!

Das Feedback war toll. Bis spät Abends sprachen mich Teilnehmer an und gaben mir Feedback zu den unterschiedlichsten Aspekten und Dingen, die ich erwähnt habe.

Eines blieb besonders hängen: was kommt jetzt von ihm, wo ist die Substanz? Das war die Reaktion, die mich am meisten angespornt hat. Ja, ok – jetzt weiter machen. Beim nächsten Vortrag kann ich nicht schon wieder das gleiche erzählen. Jetzt fängt die Arbeit, ähm, der Spass erst an.

Ich frage mich gerade, ob ich vielleicht nur ein Übersetzer bin, jemand der anderen Dinge zwar erklären kann und vielleicht etwas bei der Umsetzung helfen kann, aber die Lösungen liefern kann ich nicht? Vielleicht ist damit mein Job, bin ich damit auch vollständig.

Was, wenn es gar keine Substanz in meinen Vorträgen gibt? Was, wenn ich im nächsten Jahr einfach mit anderen Beispielen das gleiche Thema erkläre? Aber, was ist das eigentliche, dahinter liegende Thema?

Aber nun noch zu etwas ganz anderem, die gestrige Abendveranstaltung der Konferenz fand im Hamburger Hafen auf der Cap San Diego statt, die dafür komplett gemietet wurde. Ein 1961 gebautes Frachtschiff, das heute das größte, fahrtüchtige Museumsschiff der Welt ist. Ein tolles Schiff, ein toller Abend, ein intensiver, toller Tag!

Hier hinten die Elbphilharmonie, der Berliner Flughafen Hamburgs…

Dann ein Blick durch die Brücke…

Und das faszinierendste, der voll einsatzbereite Motor der Cap San Diego. 9 Zylinder, jeder 680 l Hubraum, bei 118 Umdrehungen der Kurbelwelle werden 40 Tonnen Schweröl in 24 h verbrannt, die den Kahn auf 20 Knoten fahren lassen.

Hier im Bild die Einspritzanlage:

Hier im Hintergrund einer von drei Abgasturboladern, im Vordergrund die Zylinderdeckel (jeder 2,5t schwer).

Ok, ich werd jetzt schnell noch packen, dann auf zur letzten Session der Konferenz und dann in Ruhe nach Hause! Wünsch Euch einen tollen Tag…

Prof. Dietman Harhoff: „Uneingeweihte bekommen beim Lesen von Patenten Kopfschmerzen!“ #EPOPIC2012

Hamburg, 7:02, 399

Heute Nacht habe ich an einem Stehstich, einem Pult gestanden und ein Freund hat alles versucht mich dort weg zu bekommen, er hat es nicht geschafft. Das ist alles, was ich nach wieder sehr kurzer Nacht erinnere von meinen Träumen.

Eine Version meines Manuskriptes ist fertig, aber auch diese Rede werde ich so wohl nicht halten. Das Manuskript ist die Vorbereitung, der Fallback, wenn ich vor Aufregung einen Blackout haben werde. Ich halte mich nicht für einen guten Redenvorleser, ich werde vielleicht nie einer sein. Um 2 Uhr, nach dem Mittagessen geht es erst los. 6h lang darf ich noch durchhalten, mein Energieniveau hoch halten, mich auf das Adrenalin freuen und weiter an Einleitung, Geschichten und Beispielen feilen.

Ich überlege, ob ich erst mal ein Foto machen soll, wenn ich auf die Bühne geklettert bin, wie ich meine Botschaft am besten rüber bringen kann, was ich betonen soll. Mir fallen ständig Formulieren ein, die ich aufschreiben möchte, damit sie nicht verloren gehen. Dann wieder versuche ich heraus zu finden, was eigentlich meine Kernbotschaft ist? Ja sicher, es geht um Wandel, um Trends, ums Internet. Aber was genau? Was möchte ich eigentlich damit erreichen? Woher kommt die Motivation? Woran würde ich merken, wenn ich erfolgreich, wenn ich ein guter Redner gewesen wäre?

Gestern habe ich mir die Eröffnung angeschaut, erst die drei Politiker: eine Staatssekretärin auf dem Justizministerium, Birgit Grundmann; der Präsident des Europäischen Patentamtes Benoît Battistelli und die Präsidentin des Deutschen Patent- und Markenamtes Cornelia Rudloff-Schäffer.

  

Beim EPO waren die Amts eigenen Themen: Maschinenübersetzungen mit Googles Hilfe und die neue Klassifikation Corporate Patent Classification – CPC bestimmend, aber es fielen auch Open Standards und der Satz public access to all the data is very important. Na immerhin.

Für das DPMA war ELSA, die elektronische Schutzrechtsakte, das bestimmende Thema. ElSA sei ein voller Erfolg, man würde nun die Vorteile der Digitalisierung geniessen: schneller, effizienter, weniger Fehler (hahaa!), geringerer Aufwand. Sicher, es gab Gegenwind bei der Einführung, eher eine steife Brise, aber nun sei alles gut, so die Präsidentin. Aufgrund von ElSA würde man bei der neuen CPC nicht mitmachen können, dabei raufte sich die Präsidentin die Haare, es würde zu viel Zeit und Personal kosten „Wir können uns das nicht leisten. Wir verfolgen das genau, wenn die Kunden davon einen Mehrwert haben, werden wir später einsteigen“ waren ihre genauen Worte. Oje! Und ja, ich bemerkte später, dass die beiden Patentamtschefs nicht gemeinsam zu Abend gegessen haben. 😉

Dann zwei tolle Keynotes, einmal von Prof. Dietman Harhoff, der die Kontroversen um das System anheizte, er erzählte locker, dass das 500 Jahre alte Patentsystem schon so einige Kontroversen überlebt hätte, so auch die aktuellen. Das System sei ein Vorläufer der Globalisierung, heute aber eher vermintes Gelände, es gehe eher um ein Wettrüsten, um Angriffe abwehren zu können und nicht mehr um eine ökonomisch sinnvollere Förderung von Forschung und Entwicklung.

 

Sein schönster Satz war: Uneingeweihte bekommen beim Lesen von Patenten Kopfschmerzen!

Er sprach aber auch über Open Innovation und Patentqualität sprach. Er fragte unter anderem wie gut die europäischen Schutzmauern gegen Softwarepatente wirklich halten würden?  Patenämter waren früher grosse Zettelkästen und heute seien sie IT Hochburgen, aber werden sie auch Trendsetter bei Big Data?

Er sprach auch darüber, dass dem heutigen System die sozialen und ökonomischen Anreize fehlen würden, zum Beispiel Einspruchsverfahren auch wirklich zu nutzen und erzählte von den vielversprechenden Crowd Sourcing Plattformen wie Article One Partners, der er Bounty Hunter nannte.

Soziale Medien können bei den Aufgaben der Ämter helfen, deren Hauptaufgabe nicht die Patenterteilung sei, sonderen die Zurückweisung, da Monopole nur sehr zurückhaltend gewährt werden sollten. Aber das System ist fuer informierte Dritte = (Amateuere) heute nicht attraktiv! Das ist genau meine These meines Vortrages, dankeschön!

Dann Volker Smid, dem Geschäftsführer von HP Deutschland, die weltweit über 37.000 Patente hätten. Er sprach über Big Data, darüber dass heute etwa 1,8 Zettabyte digitale Daten existieren würden (1.800 Exa = 1.8 Mio Peta = 1.8 Mrd Terabyte), 80 % davon öffentlich und 85% davon unstrukturiert im herkömmlichen Sinne.

Er legte eine Folie auf, was heute in 60 Sekunden in sozialen Netzwerken so abgehen würde, mit 695.000 Facebook Status Updates, 698.000 Google Suchen und 98.000 Tweets, nur die 168 Mio eMails die in 60 Sekunden versendet werden würden, können nicht stimmen. Da hat er sich vertan… kann schon mal passieren.

Sein Fazit: kauft Software von Autonomy, das kann diese unstrukturierten Daten durchsuchen, Meaning Based Computing würde die Zukunft sein. Und der zweite Ratschlag: betrachtet Eure Rechenzentren als Private Clouds und schliesst diese zusammen, dann wird alles gut. Schaaade.

Hier noch ein Eindruck von der Abendveranstaltung im alten Börsensaal der Handelskammer Hamburg.

Nun geht bald los… bitte drückt mir die Daumen!

 

 

Corporate Patent Classification und Global Legal Status sind die die alten, neuen Themen auf der #EPOPIC2012

Hamburg, 7:50, 398

Was habe ich heute Nacht doch bloss geträumt. Ich erinnere mich nur noch daran, dass ich mich beim Aufwachen erinnert habe. Aber mein Vortrag morgen übernimmt sofort grosse Teile meiner Kapazität. Ich konnte gut meditieren und war eben für einen kurzen Spaziergang an der Alster und der hat sich doch gelohnt.

Ich hadere natürlich wieder mal mit meinem Konzept, vermisse den roten Faden und packe die 30 Minuten vielleicht zu voll. Habe mein Manuskript gestern noch bis Mitternacht ausformuliert, würde sagen es sind 85% damit fertig. Es werden so etwa 4.000 Worte werden, die auf die Teilnehmer einprasseln. So viel zumindest habe ich beim Probelauf auf englisch gesprochen, was ich dank Julia, die den Mitschnitt für mich transkribiert hat, überhaupt nur weiss.

Gestern im Vorprogramm der Konferenz fand der Superworkshop für Expertuser statt. Ein tolles Forum, von Dr. Peter Kallas, BASF schon zum 10. mal vorbereitet, organisiert und souverän moderiert. Meine Themen und Fragen zu Open Data sind leider zu kurz gekommen, über eine Stunde lang wollten alle über die neue Taxonomie –die Corporate Patent Classification– sprechen, die ab 1. Januar 2013 vom EPO und dem USPTO zur Klassifikation aller ihrer alten und neuen Patente benutzt werden wird.

Eines der größten, amtsübergreifenden Projekte der letzten Jahre. Über 60 IT-Systeme werden allein beim EPO dafür gerade angepasst. Über einen Zeitraum von 2 Jahren wird das USPTO seine eigenes Klassifikationssystem zugunsten des IPC basierten, neuen hierarchischen Systems aufgeben und wird nach den zwei Jahren ihre alte Klassifikation nur noch für Planzen und Designpatente verwendet werden.

Ebenfalls erwähnt wurde die IT Roadmap des EPO, mit der nun alles besser werden wird. Endlich kann das Amt in neue Themen wie zum Beispiel Mobil, investieren und hat nicht nur das Geld für den Erhalt der bestehenden Systeme, so die optimistischen Aussagen der Politiker des EPO.

Zum Schluss des Workshops gab es noch einen Ausflug zum Thema Federated Register oder Global Legal Status, also dem Rechtstand, der Gültigkeit von Patentdokumenten, einem Thema, bei dem die Professionals der Szene sehr leidgeprüft sind, da es keine einheitlichen Datenbanken oder Standards gibt, um überhaupt den Status eines Patentes verlässlich online überprüfen zu können.

Fazit: ich hab mich wie bei einer Mission Control Session einer Marsmission der Nasa gefühlt. Absolute Expertenthemen, absolut komplexe Fragestellungen und Herausforderungen mit Auswirkungen auf die Arbeit von tausenden, wenn nicht zehntausende von Menschen auf der ganzen Welt. Es scheint, hier wird sich wieder eingemauert…

Aber nun geht’s gleich ab zur Discussion Round Open Data, die vom famosen Rob Willows von Thomson Reuters moderiert werden wird. Ich bin sehr gespannt… und werde hier berichten!

Wann stellen wir Patent Professionals unter Naturschutz?

Hamburg, 7:13, 397

Heute Nacht habe ich von einer Bestechung geträumt. Ich habe leicht geschlafen, war viel wach und habe meinen Traum erlebt und mir dieses Wort gemerkt. Es ging um ein Stehpult auf dem etwas lag, das einem Mann Schwierigkeiten machte und alle weiteren Details habe ich leider vergessen, egal wie sehr ich mich anstrenge.

Gestern Nachmittag bin ich los hierher, habe eine schöne Autofahrt im Regen genossen und dann der Crew von Meissner Expo beim Aufbau der Konferenz zugeschaut:

Und danach sehr überraschend Rupert Mayer getroffen der aus Berkeley eingeflogen ist, um sein nagelneues ipfolio.com vorzustellen: ein IP Managament System, welches komplett cloud basiert ist und auf Amateure, also auf die grosse Massen zielt. Toller Ansatz, realisiert mit Salesforce‘ Cloud Development Platform (übrigens benutzen wir einen Teil davon: Heroku auch bereits für unsere Neuentwicklung).

Hier geht die Konferenz gleich mit jeder Menge Trainings los. Die Trainingsräume waren gestern schon fertig, der Rest befindet sich auch jetzt noch im Aufbau.

Ich werde gleich noch am Manuskript meiner Rede für Mittwoch sitzen, auch wenn mich einige der Trainings schon reizen würden. Am Nachmittag dann der Super User Workshop. Mal schauen, ob auf meine zu spät abgesendeten Fragen eingegangen werden kann. Wenn nicht, auch ok – morgen vormittag gibt es eine eigene Diskussion Round zum Thema Open Data, dort klappt das dann ganz bestimmt.

Heute morgen bei der Meditation hatte ich zwei provokante Gedanken für meine Rede. Mich reizen diese Patentkonferenzen, also die PATINFO und die EPOPIC hier sehr zum Widerspruch, zum aufmüpfig sein, zur Provokation. Warum, weiss ich nicht so genau. Es scheint die gewisse Selbstzufriedenheit, die Selbstgewissheit und Perfektion einer  langen Tradition der Veranstaltungen zu sein, die mich herausfordert. Es ist der zufriedene, beharrende Teil der mich stört.

The system that breaks is not the system that repairs it.

Schreibt Adrian Chan in seinem Gravity7 Blog heute morgen. Er meinte damit das von Sandy heimgesuchte New York, dessen Technik und Infrastruktur zusammen gebrochen ist und nicht mehr funktioniert und das darunter liegende -sehr agile, schnell reagierende soziale Netz der Menschen freilegt- welche reagieren und die schlimmsten Katastrophen verhindern und nun reparieren. Ja, das System Technik könnte noch sicherer sein und Fehler verhindern oder ausgleichen, aber es sind Menschen die es bauen und die zusammen entscheiden müssen, welchen Aufwand sie dafür betreiben wollen.

So ähnlich ist es hier mit der Patent Informations Szene. Vielleicht gibt es die Lösungen für die Probleme auch nicht auf dieser Konferenz, auch nicht innerhalb des Systems.

Denn ein Teil der Probleme, die der Legitimität mal aussen vor gelassen, liegen in der Schwerfälligkeit in der Langsamkeit der Adaption von neuer Technik und Infrastruktur. Aber zum Glück gab es noch kein #Sandy in der Patent Industrie. Wir können einfach so weiter machen wie gestern. Die Dämme und Leitungen haben doch alle bisherigen Stürme ausgehalten, es wird schon klappen, so schlimm wird es schon nicht werden.

Die Presseverlage in Deutschland fordern bereits lautstark seit Jahren einen neuen Damm, ein Naturschutzgesetz, das Leistungschutzrecht. Sie wollen auf die rote Liste der aussterbenden Arten gesetzt werden, damit der Staat ihr Überleben und Auskommen auch in Zukunft sichert, sie schaffen das nicht mehr alleine, denken sie.

Vorhin bei der Meditation habe ich also überlegt, wie es wäre, wenn die Patent Anwälte, Patentdatenprovider und Rechercheure auch ein solches Leistungsschutzrecht für ihre Leistungen zusätzlich zum Patentrecht fordern würden, um das Auskommen ihrer Berufsstände zu sichern? Das wäre sicher sehr spassig!

Aber wisst ihr was, ich habe die Befürchtung, dass irgendwo schon jemand von der Industrie im Justizministerium ein und aus geht, um genau so etwas in den nächsten Koalitionsvertrag aufnehmen zu lassen. Aber zum Glück ist Thomson Reuters, FIZ oder Questel nicht Springer und somit bleibt ein solcher Lobbyismus in meiner Branche nur eine dunkle Ahnung, die niemals wahr wird (obwohl, Lexis Nexis würd ich’s zutrau… *psst* Arne!;). Falls ich jetzt jemanden auf eine Idee gebracht haben sollte, streite ich jedwede Verantwortung dafür ab.

Der zweite Gedanken, bei dem ich überlege, ob ich ihn in meinen Vortrag einbaue, basiert auf einer Frage zu meiner These, dass die Zukunft der Branche darin liegt, Amateuren den Zugriff auf Patent Informationen zu erleichtern und zu gewähren: Wie können denn Amateure, unsere ach so fortschrittlichen Patente und die Beschreibungen darin überhaupt verstehen, das ist und bleibt einfach etwas für Spezialisten?

Heute morgen kam mir eine Idee: es gibt etwas x00.000 Apps für Smartphones, die von hunderttausenden Menschen ausgedacht, spezifiziert, programmiert und dokumentiert worden sind. Spezialisten, Professionals und Non-Professionals – die Programmierer – schaffen etwas für Nicht Programmierer. So ähnlich, wie Ingenieure und Patentanwälte Produkte schaffen und schützen.

Niemand verlangt von mir als Nutzer, dass ich erst eine Schulung für eine App besuche oder veranstaltet, wie das EPO heute morgen, kostenpflichtige Trainings und Schulungen zu Ihrer Benutzung. Es ist auch nicht so, dass ich ein Programmierer sein muss, um sie benutzen zu können. Ich brauch nur ein Smartphone, Internet und kann die Früchte der Arbeit anderer kosten.

Sicher, wie jeder Vergleich hinkt auch dieser, aber manche Patent Professionals denken wirklich, dass sie sich einigeln können und dass -wenn sie die Dämme der Komplexität nur hoch genug bauen- sie jeden Sturm überstehen werden, dass sie nicht an die Leute da draussen denken brauchen, die mit ihrer Arbeit leben müssen und sie finanzieren. Aber genau das denke ich eben nicht!

So, nun aber: noch ein weitere Aufbaubilder: hier das grosse Wilkommensschild, welche über dem Konferenzbereich hängen wird.

Da hinten, hinter den 500 Stühlen wird die Bühne aufgebaut werden… *grrrr* 😉

Ich wünsche Euch einen schönen Start in Eure neue Woche!

Impressionen aus 5 Jahren EPO Patent Informations Conference #EPOPIC2012

Berlin, 6:48, Tag 396

Heute Nacht habe ich einen Krimi geträumt. Eine schwarze G-Klasse V12 von Brabus war verwickelt, herrlicher Klang, ungeheure Power. Erst hat das Auto mich im Anhänger oder Bus sitzend gezogen. Und selbst mit 100km/h wurde ich beim Beschleunigen noch in die Sitze gepresst. Dann wurden Leute entführt oder sogar umgebracht und das schöne Auto musste sofort verschwinden. Die Söhne der türkischen Familie der Autoschieber und eventuellen Mörder, mit denen ich es hier zu tun hatte, kriegte ihn tatsächlich nach Hamburg überführt. Trotzdem war der Vater stinksauer über die Probleme. Ich blieb allein zurück. Wenig später hatte ich ein Mittagessen mit L. im Nachbarort Sırı. Vorher fing mich eine Familie ab, die aus Berlin beauftragt worden sei, sich um mich zu kümmern. Sie lasen aus einem Briefing vor, welches für deutsche Geschäftsleute in der Türkei entwickelt worden war… ich wachte auf.

Eben war ich wieder in Stralau, diesmal nur mit dem iPhone und nur hinten am Palmkernspeicher. Eine meditative Fahrt mit dem Auto. Dabei versucht nichts zu denken und jede Ampel, jede Kurve, jedes Rollen, Anfahren, Schalten, Bremsen bemerkt. Autofahren als Achtsamkeitsübung. Sehr zu empfehlen.

Meine Rede für Mittwoch ist fertig und doch nicht fertig und ich überlege, heute schon nach Hamburg zu fahren. Dann habe ich morgen noch den ganzen Tag zur Vorbereitung in Ruhe im Hotel der anderen, fremden Stadt. Manchmal möchte ich noch einsamer sein, als ich es an Wochenenden hier schon bin. Gestern war ich allein bis auf ein paar Begegnungen am morgen im Café. Heute wieder und dann morgen auch noch, einen Tag mehr als üblich, das könnte interessant werden.

Dann werde ich in den darauffolgenden drei Tagen der Konferenz viel, sehr viel Kontakt mit unterschiedlichsten Menschen haben. Ich mochte die Stimmung dort immer schon sehr. Jedes Jahr war es anders, intensiver, jedes Jahr woanders.

Mein erstes mal: 2007 in Riga, ich noch voll verstrahlt, habe ich nur für die Nacht gelebt.

Und meinen Namen auf einem Ahnenschild in einer Kirche entdeckt und A. bei einem Spaziergang kennen gelernt, was mir Jahre später erst wieder eingefallen ist.

Merke grade, wie schlecht meine Telefonkamera damals noch war. Man nix aber auch gar nix lesen, es gab auch noch keine GPS Daten, ich würde die Kirch nicht mal wiederfinden. Krass, mir kommt das vor wie früher, wie in einem anderen Leben und es sind doch nur knapp 6 Jahre her…

2008 dann in Stockholm ein Jahr später alles ganz anders, mit dem ersten iPhone habe ich dort Kaffee  und Latte Art entdeckt und Stephan und Richard näher kennen gelernt…

Und einen tollen, kühlen Abend im Stockholmer Rathaus verbracht…

Und das erste mal wirklich Vollkontakt auf der Konferenz und so viele aus der Szene, wie noch nie vorher kennen gelernt.

Weiter dann 2009 im grossartigen Biarritz u.a. Christoph übern Weg gelaufen…

Und Wellen und Sturm fotografiert…

Und ganz ergreifende Gespräche bei Spaziergängen, auf der Konferenz und im Hotel geführt. Es war die Zeit, kurz nachdem ich aufgehört hatte, Alkohol zu trinken und Zigaretten zu rauchen…

Dann, ein Jahr später 2010 -im schönen Lausanne– bei einem Spaziergang am See u.a. erstmals länger mit Günther gesprochen. Und wir bekamen unseren ersten Auftrag vom EPO. Die mündliche Zusage gabs auf der Konferenz von diesem Herren hier…

Der Abend in einer Schweizer Burg am Genfer See war unglaublich! Es gab einen Kamin, so gross wie mein Büro…

Das Hotel hatte eine Dachterrasse, auf der es Frühstück gab und ich konnte frierend meine Sonnenaufgangsbilder für Instagram machen, welches gerade vor ein paar Tagen gestartet war.

Ach und dann! Letztes Jahr in Kilkenny kamen mit Open Data und Google Patent Search erstmals auch meine Themen näher. Hier der google.com/patent Chef, Jon Orwant bei seiner Rede.

Und wir waren sogar in der Lokalzeitung mit unserer Konferenz…

…und dem wohl grossartigsten Pubcrawl aller Zeiten!

Und in diesem Jahr in Hamburg darf ich auf die Bühne. Was für eine Geschichte!

Ok, der Post hat jetzt ganz schön lange gedauert. Aber ich habe schon wieder rumgesbastelt nebenbei und mit Freunden einen Tee getrunken. Nun aber! Wünsche Euch mit einem Bild von vorhin…

…noch einen ganz wunderbaren Restsonntag!

Im Zug durch Mecklenburg mit ohne Internet, da macht iOS6 so richtig Spass…

Im Zug nach Hamburg, 7:15, Tag 352

Heute nacht habe ich den Reaktor eines Kernkraftwerkes in unserem Gartenhaus reinigen dürfen. Ich bin mit vollem Bewusstsein der schädlichen Strahlung darin herumgelaufen und habe die ganze Zeit versucht zu fühlen, wann es mich erwischt. Es hätte mir viel schneller schlecht werden müssen. Dann ein Szenenwechsel zu an einer Wand übereinander hängenden Blumenkästen, die ich über ein Schlauchsystem zu bewässern hatte. Es kam immer zu viel Wasser aus den Schläuchen, so dass die Blumen überflutet wurden. Ich versuchte sehr vorsichtig an dem Hahn die richtige Drehung zu finden, um ein stetes Tröpfeln zu ermöglichen. Kurz vorm Aufwachen bin ich durch die voll renovierten Gassen meiner alten Heimat Halle a.d. Saale gelaufen und habe meine Eltern getroffen… fünf Minuten vor dem Wecker, der heuet schon um 5 klingeln sollte, habe ich meine Augen aufgeschlagen…

… sofort die Installation von iOS 6 sowie von Mountain Lion 10.8.2 auf meinem Macbook abgeschlossen. Die riesigen Downloads von jeweils >700 hatte gestern vorm Einschlafen angestossen. Nur mein iPad hat es leider heute morgen nicht mehr geschafft.

Die wichtigste Entdeckung für mich war erst mal, dass man die Facebook und Twitter Kontakte endlich mit dem Adressbuch syncen kann, ohne irgend welche Verrenkungen machen zu müssen, super und mehr als überfällig.

Die ganze Welt, also vor allem die grossen Apple, Google, Facebook reden von offenen Standards, APIs und Plattformen, aber gegen den Austausch von simplen Kontaktdaten sperrten sie sich bisher wohl aus einfachsten, egoistischen Gründen: die Nutzer sollen zu uns kommen, wenn sie ihre Kontakte erreichen wollen, nur unsere Plattform benutzen, dieses Denken ist soweit verbreitet und so tief verwurzelt, der Wandel dauert noch seine Zeit. Übrigens habe ich diese Funktion durch einen Artikel entdeckt, in dem beschrieben wird, wie man verhindern kann, dass meine eMail Adresse von meinen Facebook Freunden gesynct werden kann.

Dann musste ich mir natürlich die neue Kartenfunktion anschauen, Apple hat die Google Karten für die neue Version verschmäht und eigene Kartendaten einsetzen, die 3D Ansichten vom Berliner Zentrum sehen schon ganz schick aus.

Das tolle am Zug nach Hamburg ist, dass man kurz nach Berlin kein Internet mehr hat. Es gibt hier im Zug zwar WLAN der Telekom, aber aus irgend welchen Gründen dauerte es mehr als zwei Minuten eh der Login Screen auftaucht. Da ich ein ungeduldiger Mensch bin und davon ausgehe, dass nach einem eventuell erfolgreichen Login auch jeder andere Seitenaufruf zwei Minuten dauert, versuche ich über mein iPhone ins Internet zu gelangen. Mangels 3G auf der gesamten Strecke, ebenfalls sinnlos.

Die Bilder und der Post gehen also erst kurz vor Hamburg online. Auf diesen Fahrten durchs Niemandsland merke ich wieder, wie verwöhnt ich durch das in Berlin und Istanbul überall verfügbare schnelle Internet bin.

Ich frage mich, ob hier in der Gegend überhaupt jemand Smartphones kauft, Sinn machen die ohne schnelles Netz ja eigentlich nicht, vielleicht wohnt hier in Brandenburg und Mecklenburg aber auch keiner mehr oder nur noch alte Leute. Würde mich nicht wundern, und liegt sicher auch am fehlenden mobilen Internet. Welcher junge Mensch zieht aus einer Stadt mit flächendeckendem 3G Internet schon wieder auf Land, wo er ausserhalb seiner Wohnung praktisch überall Offline ist. Ich würde es jedenfalls nicht tun, wenn ich die Wahl hätte…

OK, ich les mal noch ein bisschen und verabschiede mich schon mal jetzt von Euch in einen sonnigen Donnerstag!

Hamburgs höchster Aussichtspunkt…

Berlin, 8:26, Tag 250

Edgar fuhr mit einem Lada bei der Formel1 in einem Stadtkurs mit und blieb mit rauchendem Motor in einer Kurve liegen. Wir rannten hin, schauten unter die Haube und holten rechts und links zwei riesige Säcke mit Eiswürfeln raus, die dort zur Kühlung lagen, aber halb angetaut und viel zu schwer waren. Wir warfen sie über den Streckenzaun. Edgar wollte wieder losfahren, der Motor sprang nicht an. Er drückte immer wieder den winziger handgeschnitzten Startknopf, wir schoben ihn an, der Motor sprang endlich an, er fuhr davon und ich wachte auf…

Wenn man mit der Bahn nach Hamburg fährt, dann kann man sich erinnern, wie es war, als es noch kein Internet gab. Kurz nach Spandau hört es auf und man fährt dann knapp 90min durch wunderschöne Landschaften. Es fühlt sich an wie in den 90iger Jahren. Ich bin damals unglaublich viel Bahn gefahren, hatte sogar eine Bahncard 100 und viele Mindmaps und Excels sind so – ohne Internet – in der Deutschen Bahn entstanden.

Ich bemerke, dass ich heute weniger produziere und dann erst verteile, sondern produzieren, recherchieren und kommunizieren mehr und mehr verbunden ist. Ich schreibe jetzt auch online, auch wenn ich nur ab und zu die Internetverbindung auch tatsächlich brauche, um Bilder hoch zu laden oder einen Link zu setzen oder etwas nachzuschauen. Aber an genau diese kurzen Unterbrechungen, diesen Service des ständig verfügbaren Netzes, habe ich mich sehr gewöhnt. Dass es in Deutschland weite Gegenden gibt, in denen ein schnelles mobiles Internet einfach nicht verfügbar ist, habe ich fast vergessen. Gestern auf der Zugfahrt nach Hamburg wurde ich daran erinnert.

Erst wurde ich ungeduldig, bis ich mich dabei ertappte und wieder entspannte. Ich wollte nicht lesen, so meditierte und schlief ich fast die gesamte Hinfahrt. Als ich ankam, spazierte ich die Mönkebergstrasse bis zum Rathaus, in dessen Nähe der Workshop stattfand, der der Grund für meine Tagesreise war. Ich hatte noch eine Dreiviertelstunde Zeit. Kurz vorm Rathaus, ich konnte schon die Bläser des Mittagskonzertes hören, sah ich die offene Tür der Hauptkirche St. Petri und wollte mich eigentlich nur kurz umschauen und die Zeit in Ruhe überbrücken. Das Schild am Eingang sagte: Turmbesteigung bis 16:30 Uhr, Hamburgs höchster Aussichtspunkt 132,6 Meter, 544 Stufen, zu Fuß!

Durch den Kirchenshop, 3 € bezahlt, ging es die ersten Stufen durch eine sehr enge Wendeltreppe in den Turm hinein. Dann im Turm über immer steiler werdene Holztreppen immer höher. An der Etage mit den drei grossen Hauptglocken vorbei, dann die Etage mit der Turmuhr mit ihren vier Zifferblättern und viert kleinen Glocken für die Viertelstunden. Dann wurde es immer enger und es gab noch drei oder vier Etagen mit Bullaugen, vor denen Stühle standen, zum Ausruhen und für den immer tolleren, weil höheren Ausblick.

Ganz oben in der engen Spitze war die Übersicht über Hamburgs Innenstadt grandios!

Beim Aufstieg war mir doch etwas warm geworden und in der Spitze stand leider keines der Fenster offen, so dass es sehr heiss und stickig war und ich es nicht lange aushalten konnte, ohne meine Teilnahmefähigkeit am Workshop gänzlich zu gefährden. Genau so etwas passiert mir, wenn ich mit offenen Augen durch die Welt laufe und einfach meiner Intuition folge – ich liebe es!

Und nach einer Rotary Happy Hour ging – mit einem grossartigen Sonnenuntergang – der Reisetag dann zu Ende. Hier ein unbearbeitetes Bild für Euch, so wie ich es mit dem iPhone gestern Abend auf meinem Dach aufgenommen habe:

…wünsche Euch einen wunderbaren Start in das Wochenende!