Tag 998

Berlin, 8:38

Heute Nacht sehr unruhig geschlafen, mit schweren Gedanken relativ spät aufgewacht. Die Meditation hat mich wieder etwas beruhigt und mich mit mir verbunden.

Hier zwei ganz passende Bilder vom gestrigen Heimflug. Einmal die Küste, die mich mit ihrem klaren Wasser fast erschreckt hat. Und dann zwischen den Wolken, schon im Sinkflug kurz vor Berlin.

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Bin grad auf der Suche nach mir. Wenn ich etwas näher hinschaue, sehe ich fast nur Gedanken von und über andere, im Aussen. Tief drinnen unter all den Schichten finde ich mich, manchmal, sehr selten. Ahnungen nur.

Zwei Blogpost beschäftigen mich dazu, einmal Money, gift and imaginal cells und dann dear men…. dazu fällt mir auch sofort wieder Bernie Glassmans Buch: Instructions to the cook ein, der sich ebenfalls genau damit beschäftigt hat. Vor allem mit dem ersten Thema, der Schwierigkeit in dieser Welt für seinen Lebensunterhalt sorgen zu können und die Kompromisse und Zwänge, die daraus entstehen.

Wenn wir annehmen könnten, was ist; wenn wir das Entstehen dieser Unterscheidungen und Wertungen einfach nur beobachten könnten; wenn wir es aushalten könnten, wie schwach wir sind, wie schwer es manchmal scheint, wenn wir unser Ego, welches uns erzählt, was gut oder schlecht für uns ist, aushalten würden. Und wenn wir dann liebevoll, freundlich dem Moment und Umfeld angemessen handeln würden, dann wäre alle gut!

Aber ein weiterer Grundsatz im Zen ist, dass immer alles schon vorhanden ist! Es ist immer alles schon da, was wir brauchen. Wir können es nicht sehen, weil wir in unserer eigenen Realität, in unseren Vorstellungen von Realität gefangen sind. Dies ist, weil das ist. Alles hängt immer mit allem zusammen. Und alles ist perfekt, wie es ist. Wir können es nur nicht sehen.

Zurück zu Filiz: in einem Post sieht sie die Männer der Welt und erzählt, wie sich diese Sicht verändert hat. Sehr persönlich, sehr berührend.

Aber was passierte in mir ein paar Tage später, heute morgen? Ich lese den Artikel und ersetze Men mit Women. Ich fühle die gleiche Geschichte in mir entstehen, nur aus meiner männlichen Perspektive, den gleichen Ärger auf Frauen, das gleiche Ausschliessen, das gleiche Herunterschauen, verantwortlich machen für meine Sorgen, Probleme, Nöte in meinem Leben. Es ist so einfach und schwer zugleich, durch die Zuschreibung eines Labels, einer Kategorie, einer Vorstellung eine Trennung zwischen mir und denen zu erzeugen. Aber was wirklich passiert ist, dass wir durch diese Unterscheidungen nicht mehr Liebe, sondern oft mehr Leid und Schmerz erzeugen. Und das in bester Absicht, mit echter positiver Intention!

Zurück zu Filiz: in einem anderen Post, eigentlich dreien, erzählt sie von ihren Schwierigkeiten ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Wie es sie einschränkt, wie es sie hindert und beschäftigt. Und sie zeigt mit Texten von anderen (Charles Eisenstein, Nick Jankel) die Ursachen und mögliche Auswege. Ein eindringlicher Appell, zumindest für mich. Ich spüre, dass ich helfen könnte, sollte, wollte. Und viele der Ideen in dem Artikel finde ich inspirierend auch für meine Arbeit, für meine Firma.

Aber was passierte in mir ein paar Tage später, heute morgen? Als Eigentümer und Manager einer Hundertmannfirma, habe ich das mit dem Lebensunterhalt irgendwie, offensichtlich, anscheinend gelöst. Sicher habe auch ich Existenzängste, erkenne die Abhängigkeiten, erstrebe Freiheit, sehe den Preis den meine Kollegen, meine Familie und ich zu zahlen haben, um unseren Lebensunterhalt weiter so zu verdienen, und die Firma am Laufen zu halten und weiter zu entwickeln.

Manchmal träume ich davon, den ganzen Tag im Cafe zu sitzen, mich selbst Autor oder Blogger zu nennen und von diesem Geschreibsel hier leben zu können. Ja, manchmal träume ich davon, die Schönheit der Welt mit meiner Kamera in der Hand oder am Kopter einzufangen und davon leben zu können. Manchmal möchte in einem Labor an coolen Ideen arbeiten können, ohne mich um deren Verwertung und Vermarktung kümmern zu müssen.

Ich weiss sogar, wie das ginge. Aber ich bin nicht bereit zu tauschen. Ich möchte meine Leidenschaften nicht professionalisieren oder härter formuliert prostituieren. Es würde sie verändern. Es wäre kaum möglich, frei zu schreiben und zu knipsen. Sicher in einer idealen Welt funktioniert das, mein Geschenk an einzelne oder eine Gemeinschaft sollte doch einen Wert haben und entlohnt werden können: The process of liquidating social and natural capital is called “development.

Vorgestern in der Keynote sprach Brigitte Andersen auch von unterentwickelten Märkten, genau wie Charles Eisenstein, allerdings bezog sie sich fast ausschliesslich auf den Markt für geistiges Eigentum, für IP/Intellectual Property. Sie argumentierte schlüssig, fesselnd und begeistert, dass es heute für den Handel von geistigem Eigentum keinen wirklichen Markt gibt,  dass der Handel mit Patenten zum Beispiel so extrem aufwendig ist, den Einsatz Anwälten und persönlichen Verhandlungen erfordert, dass eine Bewertung und damit Verwertung dieses geistigen Eigentums heute kaum möglich ist. Sie ruft dazu auf, einen Marktplatz zu schaffen, Patente zu standardisieren und zu einfach handelbaren Gütern zu entwickeln und damit der Branche der Patent Informations Experten einen Ausweg, eine Zukunft zu weisen.

Sie nennt das geistige Eigentum, die geistigen Güter das Intangible Gold unserer Zeit. Ihr erstes Ziel für Europa bis 2025 ist es: Democratise access to knowledge, ideas and creativity. Put all of Europe’s private and university IP on one go-to global market place. Dem ersten Satz stimme ich voll zu, den zweiten Satz würde ich noch gerne im Hinblick auf Filiz viel weiter fassen.

Und dann mir fällt auf, dass Brigitte Andersens intangible Gold doch genau die imgaginal Cells sind, von denen Filiz Telek spricht.

Und diese Verbindung, die ich hier herstelle zwischen zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, das bin ich. Nur das! Nicht mehr und nicht weniger. Und hier reflektiere ich nur die Gedanken anderer. Überlege, welche Meinung, welche Gedanken die meinen allein sind und werde nicht fündig. Einige Gedanken ziehen mich mehr an, andere stossen mich mehr ab.

Die Verbindung zu sehen, das ist ein Zeichen, das Zeichen von mir selbst.

Wünsch Euch nachdenklich einen schönen Tag!

Tag 997

Kopenhagen, 7:42

Wild geträumt von meiner Kleinen, einer Party und meinem geklauten Auto.

Die EPO Konferenz, das Wiedersehen mit alten Bekannten, die Diskussionsrunde, Ausstellerpräsentationen und die beiden Keynote Vorträge am ersten Tag waren sehr anregend, hatte viele Ideen, hab viel Bestätigung gefühlt. Hab nun etwas wenig Zeit hier, um das alles mal aufzuschreiben.

Das schönste war die Twitterwall! Echt jetzt, das EPO hat eine Twitterwall aufgestellt im Ausstellerbereich. Und das WLAN war schnell und brach nur bei vollem Plenarsaal zusammen, was ok ist (es ist wohl noch immer unverhältnismässig aufwendig, für 400 Leute gleichzeitig in einem Raum stabile Verbindungen hinzukriegen).

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Das schrägste: ich habe überhaupt keine Lust gehabt, über die Konferenz zu twittern, aber so überhaupt nicht. Ok, wir fliegen heute schon vorzeitig zurück, etwas schade, da heute auch der Haupttag der Konferenz ist, aber auch schön.

Und noch ein Gedanke: in drei Tagen ist ja hier der tausendste Tag des morgendlichen Schreibmeditierens und ich weiss nicht, ob ich ihn durchrauschen lassen soll oder ob ich mir mal etwas mehr Zeit für einen Rückblick nehme.

Hab gestern bei ChEMBL eine JS Timeline für genau diesen Zweck gesehen, inhaltlich spannend, die Entwicklung des Produktes im Blog so nachvollziehen zu können.

Nun denn, muss los! Wünsch Euch einen tollen Mittwoch.

Una Notte a Palazzo Albergati #EPOPIC13

Bologna, 6:50, Tag 760

Heute Nacht hab ich nur kurz geschlafen. Eigentlich wollte ich gestern das Abendprogramm kurz halten. Es kam anders. Das EPO hatte uns in den Palazzo Albergati zum Konferenzdinner eingeladen. Wir kommen in einem Garten an, die Wege mit Kerzen und die Bäume mit Scheinwerfern in gelborangenes Licht getaucht.

Nachdem ich Bilder vom Garten und vom Aperitf im schlichten Erdgeschoss machen konnte, riefen alle zum Buffet in den Keller. Es gab keine grossen gedeckten Tische, wie am Vorabend sondern viele Räume in Weinkeller und Küche des ‚Sommerhauses‘ einer bologneischen Familie…

Den Nachtisch sollte es im 1. Stock geben. Es konnte eigentlich keine Steigerung mehr geben, aber es kam anders…

In dieser Umgebung ein solches Konzert, ich konnte kaum die Kamera halten. Unglaublich…

Und dann hab ich mich auf einen Rundgang um den Hauptraum gemacht. Immer wieder fragten mich Teilnehmer, ob sie die Fotos haben könnten, weil die Smartphones bei dem wenigen Licht nicht sehr effektiv waren. Hier also, der Rest der Bilder…

Kurz vor 11 hätte ich fast den Bus zurück verpasst. Ich konnte schwer einfschlafen, die Eindrücke waren so intensiv, dass das wohl auch noch eine Weile dauern wird.

Herzlichen Dank an alle Teilnehmer gestern, aber vor allem an das Organisationsteam rund um Dan Schalloe: ihr habt Euch mit diesem Abend echt wieder mal selbst übertroffen.

Unvergesslich! Dankeschön!

PS: Die Fotos gibt es auch in meinem Flickr– und meinem Facebook Stream

Erste Gedanken zur #EPOPIC13 und eine Liebeserklärung…

Bologna, 6:15, Tag 759

Heute Nacht bin ich um drei -mitten in einem Spielfilm- aufgewacht, von dem ich nun nach Dusche und Meditation echt alles vergessen habe. Irgendwie schade, es war ein schöner Film.

In meiner zweiten Konferenzwoche füllt sich mein Kopf weiter an mit Fakten, Neuigkeiten, Ideen und Konzepten von anderen. Dazu kommen die vielen Begegnungen mit Bekannten und Freunden und diese schönen Momente, wenn neue Verbindungen entstehen. Also, wenn man in der Anonymität der 400 Teilnehmer jemanden wirklich entdeckt. Oder man spürt, dass jemand ehrliches Interesse hat, etwas wissen möchte oder einfach Feedback gibt. Das ist das wirklich schöne an diesen Konferenzen, die man über mehrere Jahre immer wieder besucht.

Die beiden Diskussionsrunden gestern Vormittag war schön intensiv. Wirklich weiter gekommen sind wir nicht, aber das Thema Crowdsourcing und auch Open/Linked Data war vor drei Jahren noch sehr exotisch, als die ersten Runden dazu statt fanden. Nun werden zumindest die Themen als solche anerkannt. Fast jeder hat auch schon eine Meinung dazu. Aber immer noch sieht kaum niemand das wirkliche Potential, also den einen Paradigmenwechsel. Ist ja auch verständlich!

Zum Beispiel hat das oberste Management des EPO’s  vor kurzem erst eine Registrierungspflicht für ihren populären Webdienst OPS eingeführt. Und begründet dies mit Fairness und hohen Kosten?

Neben Legal Status ist in diesem Jahr durch Richard Flammer, den für Patent Informationen zuständigen Principal Director des EPO die Usability der Daten und Anwendungen zum Thema der nächsten Jahre erklärt worden. Das unterstütze ich ausserordentlich.

Qualität war das bisher, seit Stockholm 2008. Qualität ist wirklich gut und wichtig. Nur gefällt mir nun einfach sehr, dass nun endlich und wirklich auch an die Benutzbarkeit gedacht wird, also der Endnutzer mehr im Fokus steht. Erst wenn die Patente raus kommen aus der Patentexpertenwelt, dann können sie ihren eigentlichen Zweck erfüllen.

Nun stellt Euch aber mal vor, ihr fordert von Euren besten Kunden, die Eure Angebote wirklich nutzen, die ihr aber nicht kennt, plötzlich, dass sie ihren Ausweis zeigen müssen. Und dazu sagt ihr ihnen auch, dass sie nicht allzu gute Kunden sein dürfen, denn es müsse ja genug Produkt für alle da sein. Ist das wirklich eine Verbesserung der Usability? Ich glaube nicht.

Es passt für mich einfach in die Reihe der Entwicklungen dieses Sommers, die für mich eng mit den Enthüllungen der US und GB Regierungsaktivitäten im Rahmen der Totalüberwachung des Internets. Und mit Total meine ich Alles = also alle Suchanfragen, alle Ergebnisse, alle Patentqueries, einfach alles, was übers Netz geht, wird ja heute von NSA und GCHQ gespeichert und ausgewertet, selbst SSL verschlüsselte Verbindungen werden dafür entschlüsselt.

Hier hat noch niemand das Thema Sicherheit, Datenschutz, Privatspähre angesprochen. Ganz anders vor drei Jahren. Da gab es noch größtes Bohei um eine Kooperation des EPO mit Google im Rahmen der Maschinenübersetzung von Patenten. Heute interessiert sich exakt -wie bei einem Grossteil der Bevölkerung- niemand für diese weit aus größere Gefahr des Missbrauchs und der gezielten Industriespionage durch USA und England.

Nein, im Gegenteil, es wird eine Registrierungspflicht für OPS eingeführt. Das scheint einfach in unsere Zeit zu passen. Wenn NSA alles mitliest, dann sollten auch das EPO auch keine anonyme Benutzung unserer Dienste mehr erlauben. Ist ja schliesslich auch eine Behörde. Achmann!

Eigentlich wollte ich mich gar nicht aufregen. Die Konferenz ist echt schön. Am gestrigen frühen Nachmittag gab es Druckbetankung in 5 Minuten Häppchen von den Ausstellern. Eine exzellente Möglichkeit, sich einen Überblick über Angebote, Neuigkeiten und den Markt an sich zu verschaffen.

Hier meine Notizen, die nachher gegen 9 durch die andere Hälfte noch ergänzt werden. Gegen 10 wird es nachher auch noch einen geballten Überblick über die neuen Produkte, Lösungen, Services des EPO selbst geben. Auch ein sehr praktische, nützliche Angelegenheit, die viel Zeit spart.

Die Alternative für diese beiden Formate hier auf der EPOPIC, sind das Lesen von xx Newslettern oder das Checken, aller deren Webseiten. Allein dafür, für diese Zeitersparnis, lohnt sich die Teilnahme an der Konferenz. Absolut löblich ist dabei die strikte Zeitbegrenzung auf 5min. Die Slidedecks sind meist die gleichen, wie auch bei den bis zu 1h dauernden Workshops oder Produktpräsentationen. Somit erspart mir dieses Format viele Schmerzen. Danke, Dan! 😉

Heute gibt es nur Nebel hier in Bologna. Ich hab den Mond schon gesehen. Es könnte also vielleicht sogar ein Sonnenaufgangsfoto draus werden (yeaahh, es wurde!). Aber nun geh ich erst mal frühstücken! Wünsch Euch einen schönen Tag! Und falls ihr Euch für die Themen der Konferenz interessiert, folgt mir einfach auf Twitter, das ich auch heute wieder regelmässig updaten werde.

PS: Und ich glaub ich hab mich verliebt. In Blogona. Eine unglaublich, wunderschöne Innenstadt. Genau mein Ding. Einfach herrlich! Fotos beschreiben nur unzureichend, wie schön.

PPS: Weil Patent Informationen ja eine ihrer Wurzeln im Bibilothekswesen haben, es geht auch um die Ordnung von grossen Informationsmengen, müsst ihr unbedingt die 1563 gebaute Bibliothek anschauen. Atemberaubend. Wirklich!

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Mein Rückblick auf die #EPOPIC2012: Open Data, Standardisierung und Cloud Computing…

Berlin, 7:15, Tag 407

Heute Nacht bin ich in einem Jet von Bombardier geflogen, der innen so gross wie ein Hotel wurde, wenn man am Ende um die Ecke bog. Dort sassen wir dann zu einer Besprechung über irgend etwas in einem riesigen Saal an einem ellenlangen Tisch. Jemand klappt eine Weltkarte aus Papier auseinander, auf der jede Menge Schiffswracks eingezeichnet waren. Dachte so bei mir, wie wir denn die Wracks finden sollen, wenn man gar nicht rein zoomen kann in die Karte. Mit jeder weiteren Entfaltung der Karte zoomte sie hinein, erst ins Mittelmeer, dann in die einzelne Küstenbuchten mit den Wracks… des Absurden nicht genug war in einer späteren Sequenz ein Drahtseil über unsere Strasse vorm Büro gespannt und ein Handwerker im Blaumann balancierte zur Arbeit. Als er die andere Seite erreichte und ich von unten Beifall klatschte, sagte er verwundert: nicht doch, ist doch nichts besonders, nur mein Arbeitsweg. Er zog einen Karren mit Werkzeugen vom Drahtseil hinter sich auf die Plattform und ich wachte auf…

Gestern kam noch eine Nachricht von Dan Shalloe, dem Konferenz Manager des Europäischen Patent Amtes, dass jetzt fast alle Präsentationen hier Online gestellt seien. OK, es fehlen die beiden Keynotes Speeches von Prof. Harhoff, LMU und Volker Smid, HP, aber sonst ist fast alles dabei.

Vermutlich auch, weil die Konferenz in diesem Jahr so zentral und leicht erreichbar war, gab es einen Aussteller und Teilnehmerrekord mit etwa 460 Menschen der europäischen Patent Informations Szene.

Foto: Dan Shalloe, EPO

Wie Ihr hier sicher alle mitbekommen habt, durfte ich ja in diesem Jahr erstmals auf die grosse Bühne klettern und meine Vorstellungen über den Digitalen Wandel und die Auswirkungen auf die Patente kundtun.

Foto: Dan Shalloe

Aus den nun veröffentlichten Slides möchte ich drei besonders hervorheben.

Erstens natürlich mein zweites Thema: Open Data, das in diesem Jahr leider nicht so stark behandelt worden ist, wie ich es mir gewünscht hätte und wie es im letzen Jahr noch der Fall war, als aber auch Prof. Nigel Shadbolt einer der britischen Open Data/Open Gov Päpste die Keynote hielt.

Aber ich hatte mir wohl im letzten Jahr einen gewissen Ruf erarbeitet und mich mit meinen Fragen relativ gut, zumindest besser als im letzten Jahr, vorbereitet. Um es vorweg zu nehmen, die Fragen wurden nicht beantwortet. Hier die Zusammenfassung der Open Data Discussion Round von Rob Willows, Thomson Reuters UK.

  • Add to Espacenet: Indicate whether patent is expired or not
  • Use unique identifiers to link patents to other open data
  • Prove CPC technical documentation and tools (CPC App competition)
  • EPO to participate in conferences like Gov Open Data Day
  • EPO should engage in a political level

Immerhin! Es ist nun beim EPO adressiert. Es könnte sein, dass nun EPO Mitarbeiter die Legitimation verspüren, hier stärker aktiv zu werden. Die Diskussionsrunde hat gefordert, dass sich das EPO auf Veranstaltungen und auch auf politischer Ebene im Rahmen von Open Data  und Open Government engagieren soll. Gut!

Dann ein Hinweis auf eine Gegenbewegung, eine weitere Abschottung der Szene durch eine Erhöhung der Hürden. Hier ein Vortrag über Verschiedene Arten der Recherche und Suche durch Ricarda A. Bonitz, PATON, TU Ilmenau. Sehr interessant, sehr lehrreich! Er zeigt wunderbar die verschiedenen Suchstrategien und Arten in diesem komplexen System. Die mögliche Antwort: Standardzertifizierungen, Integration in die Ausbildung ist absolut OK. Es wird nicht alle Probleme und Dilemmas des Patentsystems lösen, aber es erzeugt Schubkraft am anderen Ende, an einer weiteren Professionalisierung und Schutz der Profis, die sich durch anerkannte Institutionen wie SIGNO oder PIZNet zu solchen erklären lassen wollen.

Am spannendsten und wertvollsten an der EPOPIC, so wie sie heute ist, war sicherlich der Superworkshop zu Beginn und die Zusammenfassung der Konferenz am Ende. Beides vorbereitet und organsiert durch Dr. Peter Kallas, einem Urgestein der Branche, der seit 1991 bereits diese Veranstaltung besucht und in den Jahren seit 2007, seit ich teilnehme, entscheidend prägt.

Hier einfach die für mich wichtigste Zitate aus seiner Präsentation zusammen geschrieben und kommentiert.

One of the most challenging items „applicants‘ name standardisation“.
Several organisations are working on it ‐ but there is still a long way to go.
User community decided to start its own initiative. Cooperation is greatly appreciated!

Hier schimmert für mich doch die Konzepte von Co-Creation und Crowd Sourcing im Netz durch seine Worte durch, um eines der dringenden Probleme der Patentdaten zu lösen, das der Anmelderstandardisierung.

The ideal world: INPADOC as source, EPO and WIPO as driver, commercial providers as distributors, user community as consultants.

Dann eines der weiteren grossen Dauerbrennerthemen, dem Rechtststand. Bei dem auch eine enge netzwerkartige Zusammenarbeit vorgeschlagen zwischen den verschiedenen Teilen der Szene, sogar schon mit klarer Rollenverteilung. Hier hoffe ich, dass durch das Internet vielleicht der ein oder andere Prozess beschleunigt werden kann und wir diese Themen von den Konferenztischen und aus den Hinterzimmern raus kriegen, auf die grosse Bühne des Netzes…

Foto: Dan Shalloe, EPO

Dann seine Bemerkungen zu Cloud Computing, Social Media und der Zukunft der Patent Information: Es fängt mit einem vorsichtigen Selbstvergewisserung an:

Whereas end users need better access to basic patent information the demand for complex patent information analyses done by specialists is growing

Es geht dann weiter mit versöhnlichen Sätzen, wie „Whether a cloud cooperation, social media and patent information will work together? Yes, it will come, but slowly“ und er greift natürlich auch die bedenken und Vorbehalte der Szene auf, das muss er als guter Lobbyist und Politiker, der er sicherlich ist.

Sounds mysterious… patent information in the cloud?

Und dann erstmals sein klares Bekenntnis, sich auch mit den Sozialen Netzwerken und den Auswirkungen auf die Szene zu beschäftigen. Sehr gut!

Social media and patent information no easy combination. I am interested to see the development.

Diese Zusammenfassung zum Schluss hier, gefällt mir eigentlich am Besten. Dr. Kallas gelingt es damit, die Rolle der Patent Informations Experten umzudeuten und ihr eine klare Vision zu verleihen, die ich sehr, sehr mag!

The role might move forward to a consultant in the cloud economy, a guide through the information jungle; a driver of the stack,  the expert of the patent information toolbox; the coaches of the next generation of technicians

Und das lass ich jetzt einfach mal so stehen, denn es gefällt mir so sehr, was hier ich lese!

Dr. Peter Kallas, BASF (Foto: Dan Shalloe, EPO)

Es zeugt von Offenheit, von Flexibilität und der Motivation sich mit dem Wandel, mit der Zukunft auseinander zu setzen. Mehr habe ich nicht erhofft! Die Zeit wird es zeigen…

Langsames Ausrollen einer sehr intensiven Woche…

Berlin, 7:20, Tag 401

Heute Nacht habe ich extrem viel geträumt in endlich mal wieder knapp 8h Schlaf. Habe mir aber nur eine Szene in einem Dorf gemerkt, in einem eingefallenen Haus auf einem Hügel. Wir kamen an, es erinnerte mich an ein Bergdorf der Hisbollah im Libanon. Junge Kerle standen rum und öffneten plötzlich eine Geheimtür in einer Seitenwand zu einem Geheimgang und kletterten hinein. Dahinter lag ein Skywalk, der mit EU Fördergeldern der an Stelle der im Krieg sich dort befindenden Hängebrücken nun für Touristen gebaut worden war. Ich wollte ein Foto von dem geheimen Eingang machen. Als ich durch den Sucher der Kamera schaue, merke ich dass die Wand komplett verspiegelt ist, aber eben nur für die Kamera, wie ich mit einem erschrockenen direkten Blick feststelle…

Hab eben den Post von Rupert Mayer über die Konferenz und meine Rede gelesen. Uiih, da hab ich ja was angerichtet! 😉 Aber Ruperts Ansatz mit ipfolio.com nutzt aber einfach konsequent Public Cloud Infrastruktur, was ich in dem Umfeld einfach sehr mutig finde und deshalb sogar ein wenig beneide.

Dann verdaue ich grade noch die vielen Eindrücke nach meiner Rede von vorgestern. Ich habe so wirklich extrem viel positives und auch konstruktiv, kritisches Feedback erhalten, dass ich gar nicht weiss, wo ich anfangen soll. Und eigentlich auch klar, dass sich niemand getraut hat, seine negative Kritik direkt zu äussern. Aber indirekt landete schon das ein oder andere bei mir. Meine ähhs, obwohl ich ja von dieser Schwäche wusste, klar. Der grosse Anteil scheinbar privatem Krams, die überlange Einleitung, die fehlende Betrachtung von Sicherheit und Datenschutz waren so die drei meist genannten Kritikpunkte!

Zwei Sachen noch, dieser Vortrag war wirklich die Erfüllung eines Traumes, den ich erstmals auf der EPOPIC in Stockholm 2008 geträumt habe. Ich habe neben der inhaltlichen Arbeit sogar ein Trainer Seminar besucht in diesem Jahr, habe 4 Wochenende und eine ganze Woche investiert, unter anderem um sicher und frei vor fast 400 Menschen sprechen zu können. Und der Vortrag folgte einer in diesen Seminaren entwickelten Struktur.

Und zweitens, habe ich ja versucht, meine drei Thesen: Offenheit, Zusammenarbeit und Überfluss, um mal nur Deutsch zu bleiben, dreifach zu platzieren. Einmal in der Einleitung mit Beispielen aus meinem Leben, dann noch einmal als Trends und zum dritten Mal mit den Beispielen. Es fehlte natürlich immer noch Sicherheit und Klarheit, diese innere Struktur ist eigentlich nicht wirklich erkannt worden. Aber es scheint doch irgendwie funktioniert zu haben…

Und um die gestrige Frage nach dem dahinter liegenden Sinn, zumindest vorerst zu beantworten: Ich glaube, mein Thema ist einfach Wandel, technologischer, sozialer, ökonomischer Wandel, der mich interessiert, den ich beobachte und den ich anderen zu erklären versuche…

Ok, ich bin immer noch ganz schön zufrieden, kaputt! Es ist jede Menge liegen geblieben seit Sonntag, das räume ich jetzt auf und stürze mich volle Kraft auf die laufenden Projekte…

Wünsche einen wunderbaren Freitag!

PS: ich freu mich schon auf die nächste EPO Patent Informations Conference, diesmal in Bologna vom 22.-24. Oktober 2013…

Kurzer Bericht und das Video von meinem grossen Auftritt auf der #EPOPIC

Hamburg, 7:21, Tag 400

Heute erinnere ich keinen Traum nach einer wieder nur sehr kurzen Nacht.

Ich wollte deutlich darauf hinweisen, dass ich wirklich gerade Tag 400 eben dort oben geschrieben habe. Bin dankbar und ein bisschen beeindruckt dieser immer größer werden Zahl. Tagtäglich zu schreiben fällt mir immer leichter, es gehört jetzt einfach dazu. Aber zu den schwachen Tage zu stehen und sich von den stärkeren überraschen lassen, das ist immer wieder jeden Tag meine Aufgabe. Dieses Experiment hier verändert und beeinflusst mein Leben sehr stark, es ist auch ein grosser Teil meines Lebens. Eine tägliche Routine, ein tägliches Investment…

Denn erst Persistenz, das Dranbleiben erzeugt das Momentum für wirkliche Veränderung, wie ich sie gerade bei mir auch beobachte. Früher waren mir meine wiederkehrenden Muster, also die Verhaltensweisen, die meinen (Miß)Erfolg bei einem Thema, im Beruf, bei der Liebe, im Leben ausmachen nicht bewusst. Ich hatte dafür nur das Konzept harter Arbeit im Kopf. Erst wenn Du hart genug für etwas arbeitest, dann wirst Du Erfolg haben.

Aber eigentlich ist es so, dass dieses Konzept Arbeit – von der Wertung „hart“ und der Einschränkung „Arbeit“ befreit – auf jede Tätigkeit, im Sinne von tätig sein, in meinem Leben anwenden kann. Das was ich tue, macht mich aus, das erzeugt mich. Der Konsequenz dieses Konzeptes kann niemand entgehen. Meine Taten sind der Boden, auf dem ich stehe.

Gestern war mein grosser Auftritt auf der EPO Patent Information Conference 2012!

Der Mitschnitt hat geklappt, hier das Video.

 

Ein paar Korrekturen: ich habe zwei mal Spotify gesagt, das zweite mal, habe ich Netflix nur gedacht. Dann, mein Vater war natürlich Chef der Rinderproduktion der LPG und wir hatten über 2.000 Jungrinder (nur in meinem Dorfteil stand ein kleiner Stall mit 400 Rindern, nicht Kühen), er war somit auch fürs Controlling zuständig, ich habe oft mit ihm Gewichtstabellen erstellt bei der jährlichen Inventur, bei der alle Rinder gewogen wurden, deshalb wohl meine Spreadsheet Macke. Ach, und Ali habe ich nur zugeschaut, wie er ’91, vermutlich eher ’92 oder gar erst ’93 Linux installiert hat. Und klar, ein Tweet wird nicht geteilt, er wird ge“retweetet“. Und ich wollte eigentlich so vieles, so anders sagen… aber, ok. Raus damit!

Das Feedback war toll. Bis spät Abends sprachen mich Teilnehmer an und gaben mir Feedback zu den unterschiedlichsten Aspekten und Dingen, die ich erwähnt habe.

Eines blieb besonders hängen: was kommt jetzt von ihm, wo ist die Substanz? Das war die Reaktion, die mich am meisten angespornt hat. Ja, ok – jetzt weiter machen. Beim nächsten Vortrag kann ich nicht schon wieder das gleiche erzählen. Jetzt fängt die Arbeit, ähm, der Spass erst an.

Ich frage mich gerade, ob ich vielleicht nur ein Übersetzer bin, jemand der anderen Dinge zwar erklären kann und vielleicht etwas bei der Umsetzung helfen kann, aber die Lösungen liefern kann ich nicht? Vielleicht ist damit mein Job, bin ich damit auch vollständig.

Was, wenn es gar keine Substanz in meinen Vorträgen gibt? Was, wenn ich im nächsten Jahr einfach mit anderen Beispielen das gleiche Thema erkläre? Aber, was ist das eigentliche, dahinter liegende Thema?

Aber nun noch zu etwas ganz anderem, die gestrige Abendveranstaltung der Konferenz fand im Hamburger Hafen auf der Cap San Diego statt, die dafür komplett gemietet wurde. Ein 1961 gebautes Frachtschiff, das heute das größte, fahrtüchtige Museumsschiff der Welt ist. Ein tolles Schiff, ein toller Abend, ein intensiver, toller Tag!

Hier hinten die Elbphilharmonie, der Berliner Flughafen Hamburgs…

Dann ein Blick durch die Brücke…

Und das faszinierendste, der voll einsatzbereite Motor der Cap San Diego. 9 Zylinder, jeder 680 l Hubraum, bei 118 Umdrehungen der Kurbelwelle werden 40 Tonnen Schweröl in 24 h verbrannt, die den Kahn auf 20 Knoten fahren lassen.

Hier im Bild die Einspritzanlage:

Hier im Hintergrund einer von drei Abgasturboladern, im Vordergrund die Zylinderdeckel (jeder 2,5t schwer).

Ok, ich werd jetzt schnell noch packen, dann auf zur letzten Session der Konferenz und dann in Ruhe nach Hause! Wünsch Euch einen tollen Tag…

Prof. Dietman Harhoff: „Uneingeweihte bekommen beim Lesen von Patenten Kopfschmerzen!“ #EPOPIC2012

Hamburg, 7:02, 399

Heute Nacht habe ich an einem Stehstich, einem Pult gestanden und ein Freund hat alles versucht mich dort weg zu bekommen, er hat es nicht geschafft. Das ist alles, was ich nach wieder sehr kurzer Nacht erinnere von meinen Träumen.

Eine Version meines Manuskriptes ist fertig, aber auch diese Rede werde ich so wohl nicht halten. Das Manuskript ist die Vorbereitung, der Fallback, wenn ich vor Aufregung einen Blackout haben werde. Ich halte mich nicht für einen guten Redenvorleser, ich werde vielleicht nie einer sein. Um 2 Uhr, nach dem Mittagessen geht es erst los. 6h lang darf ich noch durchhalten, mein Energieniveau hoch halten, mich auf das Adrenalin freuen und weiter an Einleitung, Geschichten und Beispielen feilen.

Ich überlege, ob ich erst mal ein Foto machen soll, wenn ich auf die Bühne geklettert bin, wie ich meine Botschaft am besten rüber bringen kann, was ich betonen soll. Mir fallen ständig Formulieren ein, die ich aufschreiben möchte, damit sie nicht verloren gehen. Dann wieder versuche ich heraus zu finden, was eigentlich meine Kernbotschaft ist? Ja sicher, es geht um Wandel, um Trends, ums Internet. Aber was genau? Was möchte ich eigentlich damit erreichen? Woher kommt die Motivation? Woran würde ich merken, wenn ich erfolgreich, wenn ich ein guter Redner gewesen wäre?

Gestern habe ich mir die Eröffnung angeschaut, erst die drei Politiker: eine Staatssekretärin auf dem Justizministerium, Birgit Grundmann; der Präsident des Europäischen Patentamtes Benoît Battistelli und die Präsidentin des Deutschen Patent- und Markenamtes Cornelia Rudloff-Schäffer.

  

Beim EPO waren die Amts eigenen Themen: Maschinenübersetzungen mit Googles Hilfe und die neue Klassifikation Corporate Patent Classification – CPC bestimmend, aber es fielen auch Open Standards und der Satz public access to all the data is very important. Na immerhin.

Für das DPMA war ELSA, die elektronische Schutzrechtsakte, das bestimmende Thema. ElSA sei ein voller Erfolg, man würde nun die Vorteile der Digitalisierung geniessen: schneller, effizienter, weniger Fehler (hahaa!), geringerer Aufwand. Sicher, es gab Gegenwind bei der Einführung, eher eine steife Brise, aber nun sei alles gut, so die Präsidentin. Aufgrund von ElSA würde man bei der neuen CPC nicht mitmachen können, dabei raufte sich die Präsidentin die Haare, es würde zu viel Zeit und Personal kosten „Wir können uns das nicht leisten. Wir verfolgen das genau, wenn die Kunden davon einen Mehrwert haben, werden wir später einsteigen“ waren ihre genauen Worte. Oje! Und ja, ich bemerkte später, dass die beiden Patentamtschefs nicht gemeinsam zu Abend gegessen haben. 😉

Dann zwei tolle Keynotes, einmal von Prof. Dietman Harhoff, der die Kontroversen um das System anheizte, er erzählte locker, dass das 500 Jahre alte Patentsystem schon so einige Kontroversen überlebt hätte, so auch die aktuellen. Das System sei ein Vorläufer der Globalisierung, heute aber eher vermintes Gelände, es gehe eher um ein Wettrüsten, um Angriffe abwehren zu können und nicht mehr um eine ökonomisch sinnvollere Förderung von Forschung und Entwicklung.

 

Sein schönster Satz war: Uneingeweihte bekommen beim Lesen von Patenten Kopfschmerzen!

Er sprach aber auch über Open Innovation und Patentqualität sprach. Er fragte unter anderem wie gut die europäischen Schutzmauern gegen Softwarepatente wirklich halten würden?  Patenämter waren früher grosse Zettelkästen und heute seien sie IT Hochburgen, aber werden sie auch Trendsetter bei Big Data?

Er sprach auch darüber, dass dem heutigen System die sozialen und ökonomischen Anreize fehlen würden, zum Beispiel Einspruchsverfahren auch wirklich zu nutzen und erzählte von den vielversprechenden Crowd Sourcing Plattformen wie Article One Partners, der er Bounty Hunter nannte.

Soziale Medien können bei den Aufgaben der Ämter helfen, deren Hauptaufgabe nicht die Patenterteilung sei, sonderen die Zurückweisung, da Monopole nur sehr zurückhaltend gewährt werden sollten. Aber das System ist fuer informierte Dritte = (Amateuere) heute nicht attraktiv! Das ist genau meine These meines Vortrages, dankeschön!

Dann Volker Smid, dem Geschäftsführer von HP Deutschland, die weltweit über 37.000 Patente hätten. Er sprach über Big Data, darüber dass heute etwa 1,8 Zettabyte digitale Daten existieren würden (1.800 Exa = 1.8 Mio Peta = 1.8 Mrd Terabyte), 80 % davon öffentlich und 85% davon unstrukturiert im herkömmlichen Sinne.

Er legte eine Folie auf, was heute in 60 Sekunden in sozialen Netzwerken so abgehen würde, mit 695.000 Facebook Status Updates, 698.000 Google Suchen und 98.000 Tweets, nur die 168 Mio eMails die in 60 Sekunden versendet werden würden, können nicht stimmen. Da hat er sich vertan… kann schon mal passieren.

Sein Fazit: kauft Software von Autonomy, das kann diese unstrukturierten Daten durchsuchen, Meaning Based Computing würde die Zukunft sein. Und der zweite Ratschlag: betrachtet Eure Rechenzentren als Private Clouds und schliesst diese zusammen, dann wird alles gut. Schaaade.

Hier noch ein Eindruck von der Abendveranstaltung im alten Börsensaal der Handelskammer Hamburg.

Nun geht bald los… bitte drückt mir die Daumen!

 

 

Corporate Patent Classification und Global Legal Status sind die die alten, neuen Themen auf der #EPOPIC2012

Hamburg, 7:50, 398

Was habe ich heute Nacht doch bloss geträumt. Ich erinnere mich nur noch daran, dass ich mich beim Aufwachen erinnert habe. Aber mein Vortrag morgen übernimmt sofort grosse Teile meiner Kapazität. Ich konnte gut meditieren und war eben für einen kurzen Spaziergang an der Alster und der hat sich doch gelohnt.

Ich hadere natürlich wieder mal mit meinem Konzept, vermisse den roten Faden und packe die 30 Minuten vielleicht zu voll. Habe mein Manuskript gestern noch bis Mitternacht ausformuliert, würde sagen es sind 85% damit fertig. Es werden so etwa 4.000 Worte werden, die auf die Teilnehmer einprasseln. So viel zumindest habe ich beim Probelauf auf englisch gesprochen, was ich dank Julia, die den Mitschnitt für mich transkribiert hat, überhaupt nur weiss.

Gestern im Vorprogramm der Konferenz fand der Superworkshop für Expertuser statt. Ein tolles Forum, von Dr. Peter Kallas, BASF schon zum 10. mal vorbereitet, organisiert und souverän moderiert. Meine Themen und Fragen zu Open Data sind leider zu kurz gekommen, über eine Stunde lang wollten alle über die neue Taxonomie –die Corporate Patent Classification– sprechen, die ab 1. Januar 2013 vom EPO und dem USPTO zur Klassifikation aller ihrer alten und neuen Patente benutzt werden wird.

Eines der größten, amtsübergreifenden Projekte der letzten Jahre. Über 60 IT-Systeme werden allein beim EPO dafür gerade angepasst. Über einen Zeitraum von 2 Jahren wird das USPTO seine eigenes Klassifikationssystem zugunsten des IPC basierten, neuen hierarchischen Systems aufgeben und wird nach den zwei Jahren ihre alte Klassifikation nur noch für Planzen und Designpatente verwendet werden.

Ebenfalls erwähnt wurde die IT Roadmap des EPO, mit der nun alles besser werden wird. Endlich kann das Amt in neue Themen wie zum Beispiel Mobil, investieren und hat nicht nur das Geld für den Erhalt der bestehenden Systeme, so die optimistischen Aussagen der Politiker des EPO.

Zum Schluss des Workshops gab es noch einen Ausflug zum Thema Federated Register oder Global Legal Status, also dem Rechtstand, der Gültigkeit von Patentdokumenten, einem Thema, bei dem die Professionals der Szene sehr leidgeprüft sind, da es keine einheitlichen Datenbanken oder Standards gibt, um überhaupt den Status eines Patentes verlässlich online überprüfen zu können.

Fazit: ich hab mich wie bei einer Mission Control Session einer Marsmission der Nasa gefühlt. Absolute Expertenthemen, absolut komplexe Fragestellungen und Herausforderungen mit Auswirkungen auf die Arbeit von tausenden, wenn nicht zehntausende von Menschen auf der ganzen Welt. Es scheint, hier wird sich wieder eingemauert…

Aber nun geht’s gleich ab zur Discussion Round Open Data, die vom famosen Rob Willows von Thomson Reuters moderiert werden wird. Ich bin sehr gespannt… und werde hier berichten!

Wann stellen wir Patent Professionals unter Naturschutz?

Hamburg, 7:13, 397

Heute Nacht habe ich von einer Bestechung geträumt. Ich habe leicht geschlafen, war viel wach und habe meinen Traum erlebt und mir dieses Wort gemerkt. Es ging um ein Stehpult auf dem etwas lag, das einem Mann Schwierigkeiten machte und alle weiteren Details habe ich leider vergessen, egal wie sehr ich mich anstrenge.

Gestern Nachmittag bin ich los hierher, habe eine schöne Autofahrt im Regen genossen und dann der Crew von Meissner Expo beim Aufbau der Konferenz zugeschaut:

Und danach sehr überraschend Rupert Mayer getroffen der aus Berkeley eingeflogen ist, um sein nagelneues ipfolio.com vorzustellen: ein IP Managament System, welches komplett cloud basiert ist und auf Amateure, also auf die grosse Massen zielt. Toller Ansatz, realisiert mit Salesforce‘ Cloud Development Platform (übrigens benutzen wir einen Teil davon: Heroku auch bereits für unsere Neuentwicklung).

Hier geht die Konferenz gleich mit jeder Menge Trainings los. Die Trainingsräume waren gestern schon fertig, der Rest befindet sich auch jetzt noch im Aufbau.

Ich werde gleich noch am Manuskript meiner Rede für Mittwoch sitzen, auch wenn mich einige der Trainings schon reizen würden. Am Nachmittag dann der Super User Workshop. Mal schauen, ob auf meine zu spät abgesendeten Fragen eingegangen werden kann. Wenn nicht, auch ok – morgen vormittag gibt es eine eigene Diskussion Round zum Thema Open Data, dort klappt das dann ganz bestimmt.

Heute morgen bei der Meditation hatte ich zwei provokante Gedanken für meine Rede. Mich reizen diese Patentkonferenzen, also die PATINFO und die EPOPIC hier sehr zum Widerspruch, zum aufmüpfig sein, zur Provokation. Warum, weiss ich nicht so genau. Es scheint die gewisse Selbstzufriedenheit, die Selbstgewissheit und Perfektion einer  langen Tradition der Veranstaltungen zu sein, die mich herausfordert. Es ist der zufriedene, beharrende Teil der mich stört.

The system that breaks is not the system that repairs it.

Schreibt Adrian Chan in seinem Gravity7 Blog heute morgen. Er meinte damit das von Sandy heimgesuchte New York, dessen Technik und Infrastruktur zusammen gebrochen ist und nicht mehr funktioniert und das darunter liegende -sehr agile, schnell reagierende soziale Netz der Menschen freilegt- welche reagieren und die schlimmsten Katastrophen verhindern und nun reparieren. Ja, das System Technik könnte noch sicherer sein und Fehler verhindern oder ausgleichen, aber es sind Menschen die es bauen und die zusammen entscheiden müssen, welchen Aufwand sie dafür betreiben wollen.

So ähnlich ist es hier mit der Patent Informations Szene. Vielleicht gibt es die Lösungen für die Probleme auch nicht auf dieser Konferenz, auch nicht innerhalb des Systems.

Denn ein Teil der Probleme, die der Legitimität mal aussen vor gelassen, liegen in der Schwerfälligkeit in der Langsamkeit der Adaption von neuer Technik und Infrastruktur. Aber zum Glück gab es noch kein #Sandy in der Patent Industrie. Wir können einfach so weiter machen wie gestern. Die Dämme und Leitungen haben doch alle bisherigen Stürme ausgehalten, es wird schon klappen, so schlimm wird es schon nicht werden.

Die Presseverlage in Deutschland fordern bereits lautstark seit Jahren einen neuen Damm, ein Naturschutzgesetz, das Leistungschutzrecht. Sie wollen auf die rote Liste der aussterbenden Arten gesetzt werden, damit der Staat ihr Überleben und Auskommen auch in Zukunft sichert, sie schaffen das nicht mehr alleine, denken sie.

Vorhin bei der Meditation habe ich also überlegt, wie es wäre, wenn die Patent Anwälte, Patentdatenprovider und Rechercheure auch ein solches Leistungsschutzrecht für ihre Leistungen zusätzlich zum Patentrecht fordern würden, um das Auskommen ihrer Berufsstände zu sichern? Das wäre sicher sehr spassig!

Aber wisst ihr was, ich habe die Befürchtung, dass irgendwo schon jemand von der Industrie im Justizministerium ein und aus geht, um genau so etwas in den nächsten Koalitionsvertrag aufnehmen zu lassen. Aber zum Glück ist Thomson Reuters, FIZ oder Questel nicht Springer und somit bleibt ein solcher Lobbyismus in meiner Branche nur eine dunkle Ahnung, die niemals wahr wird (obwohl, Lexis Nexis würd ich’s zutrau… *psst* Arne!;). Falls ich jetzt jemanden auf eine Idee gebracht haben sollte, streite ich jedwede Verantwortung dafür ab.

Der zweite Gedanken, bei dem ich überlege, ob ich ihn in meinen Vortrag einbaue, basiert auf einer Frage zu meiner These, dass die Zukunft der Branche darin liegt, Amateuren den Zugriff auf Patent Informationen zu erleichtern und zu gewähren: Wie können denn Amateure, unsere ach so fortschrittlichen Patente und die Beschreibungen darin überhaupt verstehen, das ist und bleibt einfach etwas für Spezialisten?

Heute morgen kam mir eine Idee: es gibt etwas x00.000 Apps für Smartphones, die von hunderttausenden Menschen ausgedacht, spezifiziert, programmiert und dokumentiert worden sind. Spezialisten, Professionals und Non-Professionals – die Programmierer – schaffen etwas für Nicht Programmierer. So ähnlich, wie Ingenieure und Patentanwälte Produkte schaffen und schützen.

Niemand verlangt von mir als Nutzer, dass ich erst eine Schulung für eine App besuche oder veranstaltet, wie das EPO heute morgen, kostenpflichtige Trainings und Schulungen zu Ihrer Benutzung. Es ist auch nicht so, dass ich ein Programmierer sein muss, um sie benutzen zu können. Ich brauch nur ein Smartphone, Internet und kann die Früchte der Arbeit anderer kosten.

Sicher, wie jeder Vergleich hinkt auch dieser, aber manche Patent Professionals denken wirklich, dass sie sich einigeln können und dass -wenn sie die Dämme der Komplexität nur hoch genug bauen- sie jeden Sturm überstehen werden, dass sie nicht an die Leute da draussen denken brauchen, die mit ihrer Arbeit leben müssen und sie finanzieren. Aber genau das denke ich eben nicht!

So, nun aber: noch ein weitere Aufbaubilder: hier das grosse Wilkommensschild, welche über dem Konferenzbereich hängen wird.

Da hinten, hinter den 500 Stühlen wird die Bühne aufgebaut werden… *grrrr* 😉

Ich wünsche Euch einen schönen Start in Eure neue Woche!