Indras Netz

Berlin,  6:48, Tag 1058

Heute Nacht viel geträumt, häufig wach, ist selten bei mir. Fühle mich trotzdem wach und ausgeruht jetzt. Habe mir den ersten Traum, der mich kurz nach Mitternacht wieder weckte, merken wollen. Beim Aufstehen war alles weg.

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Das habe ich eben von meinem alten Auto unterm Rückspiegel abgehangen. Dort hing es seit vielen, vielen Jahren ganz fast gänzlich unbemerkt zwischen Spiegel und Scheibe. Ab und zu fiel mal mein Blick drauf, und ich erinnerte mich an meine Zeit im Wedding. An den Beginn meiner Selbständigkeit, an die Anfänge in der Bankgesellschaft. Als ich Notes Admin war, bei Klaus, Tilo, Heiko, Thomas. Ewig her. Die Bankgesellschaft gibts nicht mehr. Der Parkausweis hat die Zeit in meinem Auto überstanden. Fast zwanzig Jahre her das alles. Und seit 16 Jahren hing genau dieser Parkausweis an der immer gleichen Stelle, obwohl ich ihn schon kurz nach 2001 nicht mehr gebraucht habe, da mein Engagement für die Bank endete und ich zur Nord/LB, zu Schering und später der Bundesdruckerei wechselte. Der Ausweis verbindet mich mit dem Beginn. Unter anderem Andre, Henry und auch Timo und Iris habe ich dort kennen gelernt, mit denen ich auch heute noch zusammen arbeite. Alles ist mit allem immer verbunden, alles hängt zusammen. Erst im Rückblick erkennen wir das. Und auch erst dann, wenn wir genau hinschauen, wenn wir los lassen, wenn wir uns trauen, uns tiefer und tiefer zu erinnern und die Verbindungen auch zu lassen. In diesem Monat arbeite ich seit zehn Jahren an und bei und für mtc. Ein grosser Brocken meines Lebens. Auch wenn ich an Kollegen denke, die erst ein oder ein paar Jahre hier sind, ist das so viel Zeit, im Vergleich zu unserem relativ kurzen Leben. Wir haben, wenn wir Glück haben 70 oder 80 Jahre und eines davon, ein ganzes Jahr dieses Lebens ist da schon viel. Zehn Jahre sind eine immense Zeit. Gestartet ist das hier in der  Pre-Facebook und Pre-iPhone Zeit, heute für mich kaum vorstellbar. So viel ist allein im Netz und mit den Geräten passiert, zum Irre werden viel. Ich mag es, wenn sich mein Leben dreht und entwickelt und verändert. Eines gibt Stabilität. Ich selbst, ich bin die Verbindung zwischen vielen Menschen, Zeiten, Dingen und Orten. Ein winzig kleiner Knoten im Netz. Und dieser Parkausweis, dieses Stück bedruckte Papier, holt all das, was war, all diese Verbindungen hoch an die Oberfläche, in mein Bewusstsein zurück und lässt mich kurz zurück lehnen, kurz durchatmen und dann kommt Dankbarkeit, Ruhe, Glück, Spannung, Lust und Spass hoch. So viele Erinnerungen an vergangene Lust und Leid, die unser Leben ist.

Wünsche Euch einen achtsamen Dienstag im Netz Eures Lebens!

 

Veröffentlicht von Arne Krueger

co-founder of http://mtc.berlin · info tech service provider · zazen · horsemanship · photography

4 Kommentare zu „Indras Netz

  1. Ich mag solche kleinen Dinge, die einem daran erinnern, was mal war, oder wie etwas begonnen hat und wie man bestimmte Menschen kennenlernte.

    Ich hebe sie auf, sie sind gut aufbewahrt in einem kleinen Kästchen.

    Hebst du Parkausweis auch auf?

      1. lach…..mittlerweile hat er bestimmt seinen neuen Platz gefunden und du bist stolzer Besitzer eines neuen fahrbaren Untersatzes….

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