Mein Weg

Berlin, 7:58, Tag 966

Heute Nacht schön geschlafen, zeitig hoch. Schon vierzig Minuten meditiert, den ruhigen noch leeren Sonntagmorgen genossen.

IMG_9106

Habe an Bekannte gedacht, mit denen ich mich schnell und stark verbunden hatte und denen ich nun immer noch nicht antworten kann auf ihre Mails. Menschen, die ich auf den ersten Blick sehr bewundert, deren Bekanntschaft ich gesucht habe. Als ich näher kam, war ich wohl enttäuscht. Wenn ich die Schwächen an anderen sehe, die keine haben sollten, brauche ich Zeit. Es gibt Erwartungen und Regeln, bei der Kommunikation zwischen Bekannten, die ich immer und immer wieder brechen möchte. Vermutlich um heraus zu finden, wie ehrlich und wie vorurteilsfrei andere sein können.

Gestern war hier Riesendemo gegen TIPP und ich bin nicht hin. Haben gefaulenzt und haben am Nachmittag ruhig eingekauft und sind etwas draussen Essen gewesen.

Gestern morgen ist Ankara ein schrecklicher Anschlag verübt worden, den ich wenige Minuten später auf Twitter entdeckt habe. Hundert Menschen sind gestorben, die sich für ein Ende von Konflikten eingesetzt haben. Bin traurig. Ein langer Artikel über Verlust und Trauer fand mich gestern noch. Mag ihn gar nicht hier verlinken.

Finde gerade meine Erinnerung an meinen Weg mit der Meditation zurück. Habe über den Tag verteilt viele Gedankenblitze, an die Zeit, wie es damals war, als es noch neu für mich war. Wie sehr ich überrascht, wie sehr entschlossen ich schon einmal gewesen bin.

Heute habe ich schon so viel davon integriert, dass ich es nur noch selten bemerke und wieder mal sehr streng mit mir bin. Wünsche mir manchmal, diese grossen Schritte, diese Begeisterung der Entdeckung zurück. Erzeuge mir das ab und zu, in dem ich jemandem der mich danach fragt, die wirklich einfache Meditationstechnik zeige. Dauert ja nur fünf Minuten und man beherrscht die grundlegende Technik. Dann ist es nur noch zu tun.

Spüre wieder das Verlangen, noch achtsamer in meinem Alltag zu sein: rein, nur im Moment, dann annehmen, was ist. Aushalten, nicht zu wissen. Liebevoll, freundlich Handeln. Sehe grade sehr viel, wann ich das nicht erreiche. In 99,98% meines Tages bin ich das nicht: werte, reagiere, lenke mich ab, renne weg, dämpfe, unterhalte mich. Achte nicht darauf, was ich tue, bin nicht im Moment.

Die Reflektion, das darüber Nachdenken, das Sehen, was ist… ist immer mein erster Schritt gewesen. Die Veränderung passiert von allein, wenn man diese 5min Technik erst einmal drauf hat und immer wieder anwendet. Ein paar mal bewusst Atmen, ein und aus, dabei den Kopf leeren: wenn ich einatme, weiss ich das einatme, wenn ich ausatme, weiss ich das ich ausatme. Das reich schon. Es dreht sich dann alles von allein, Stück für Stück, unmerklich. Erst im ehrlichen Rückblick können wir es sehen.

Und trotzdem, es hört nie auf. Die Aufgabe ist nicht abzuschliessen. Es kommen ständig neue Probleme, neue Herausforderungen. Das macht mich traurig, das lässt mich verzweifeln. Und doch gibt es keinen anderen Weg. Einatmen, Ausatmen.

Und los!

Schönen Sonntag Euch.

Veröffentlicht von Arne Krueger

co-founder of http://mtc.berlin · info tech service provider · zazen · horsemanship · photography

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: