Comedy, Ärzte und Abschied

Istanbul, 7:47, Tag 916

Heute Nach ruhig und gut geschlafen. Zeitig wach, aber müde weiter geschlafen.

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Hab gestern Abend wieder ein Stück von Luis CK gefunden. Über milden Rassismus, darüber was er und seine Kinder mit dem Isreal-Palestine Konflikt zu tun haben und über Kindesmissbrauch. Er ist ein wirklich grosser, grosser Comedian!

Mein Freitag war sehr schräg, was nicht nur daran lag, dass ich in Gedanken nicht hier war. Nein, ich bin auch zum Arzt, was ganz gut und aufbauend lief. Wenn Ärzte mich loben für etwas, was sie grade sehen oder hören, gibt mir das ein extrem gutes Gefühl: „Ihr 60iger Puls läuft wie ein Schweizer Uhrwerk.“. So was meine ich. An solchen Tagen kann dann nichts mehr passieren.

Weiss auch nicht genau, warum sie solche Macht über meine Stimmung haben. Also nicht so sehr niedergelassene Ärzte, vom Land oder aus Problembezirken. Die sehen zu viel, die freuen sich meist mehr selbst, mal mit einem normalen Menschen reden zu können (denke ich!).

Aber so ein Professor an einer Uniklinik, der sonst nur die schwersten Fälle kriegt, den meine ich. Wenn der mich sieht, stehend, lächelnd, selbst redend, dann entspannt der sich und fängt an Komplimente zu meinem Gesundheitszustand zu machen. Ok, das kostet dann auch den gleichen Rubel, als wenn er mich komplett auseinander- und wieder zusammengebaut hätte mit seinem OP Team. Aber für ihn ist es nicht so anstrengend!

Spannend ist auch, dass ich jedes mal drin denke: jetzt ist alles klar, woran es liegt, was die Ursachen, die Behandlungsmöglichkeiten, die nächsten Schritte sind. Aber sobald ich wenig später schon in der Apotheke stehe. Da lässt die Wirkung nach. Echt jetzt, diesen ganzen Kram soll ich jetzt die nächsten Tage, Wochen in mich rein kippen? Oder wenn ich das dann wieder wenig später meiner Frau erzähle, die beim ersten „woran es liegen soll“, kritisch nachfragt und ich merke, dass ich immer noch überhaupt keine Ahnung habe, was da in mir vorgeht.

Ich glaub es ist dieses Retter-, Zauberer-, dieses Gott Image, das sich die Ärzte verpasst haben. Oder das ich ihnen immer noch verpasse. Die kommen da nicht so einfach raus. Ist ja auch zu verlockend. Und wir als ihre Patentierten lassen sie da auch schwer wieder raus. Wer möchte nicht einfach irgendwo hingehen, eine Pille kriegen und zack: alle gesundheitlichen Probleme sind gelöst. Das wärs doch!

Ok, ich lass das mal, eh ich mir noch ahnungslos wie ich bin, völlig vergalloppiere.

Heute ist der letzte volle Tag hier, dann sind wir erst mal ne ganz ungewohnt lange Zeit bis zu den nächsten Ferien in Berlin. Bin traurig, gespannt, fühle Abschied vom Lebensstil der letzten fünf Jahre.

Nichts kann man festhalten. Nur meine Taten sind mein einzig wahrer Besitz, sie sind der Boden auf dem ich stehe.

Wünsch Euch einen schönen Samstag.

Veröffentlicht von Arne Krueger

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