Mit Schwung durchs Leben

Bizimköy, 6:26, Tag 914

Doch es kam noch heftiger. Bin in einem fahrenden Pendel, das weit in beide Richtungen ausschlägt, ins positive und negative, von einem Gefühl zum nächsten. Und mit Schwung. Bis zum Punkt der Umkehr, ganz oben, wenn sich die Richtung wieder ändert. Sie ändert sich immer! Und man saust runter mit diesem Kribbeln im Bauch und auf der anderen Seite hoch. Das Leben zieht vorbei. Wieder ein Moment vergangen.

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Heute Morgen habe ich Zuflucht gesucht in meiner Meditation und gefunden. Dabei war das oben, das erste Bild, was sich beim Zählen des Atems deutlich erkennen liess.

Drei Dinge sind gestern passiert. Früh, erst ein Streit über Buntstifte. Der mit diesem Bild hier endete. Ich fand doch noch eine Stelle, von der sich der Tagebau, der Abbau eines ganzen Berges fotografieren liess. Am Ende der Strasse rechts weg:

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Dann Zweitens bin ich dadurch zu spät bei Coookie gewesen, erst kurz vorm Ende der Öffnungszeiten des Rehab Centers, in das wir sie gebracht hatten. Erst besuchte ich sie kurz an ihrem Zaun und holte sie nicht raus, der Betreuer machte keine Anstalten. Aber meine starke Cookie gab mir ein Zeichen. Sie biss mich viel stärker als sonst durch den Zaun, wollte unbedingt mit.

Dann bekam ich einen Tee und als ich den ausgetrunken hatte, holte ich sie zum spielen raus. Sie war sehr anhänglich, wir spielten, aber kuschelten mehr und sie schlief nach zehn Minuten auf mir ein. Ich streichelte sie ganz ruhig weiter, als -schon nach drei Uhr- eine Familie auftauchte, drei ältere Frauen, zwei Kinder auf der Suche nach einem Welpen.

Sie sahen den schlafenden Hund und mich. Cookie wachte auf, wedelte jeden freudig an, ich zeigte sie den beiden Mädchen. Eine der Frauen küsste sie gleich ab und liess sich das Gesicht ablecken (Ohmann, Türken wieder!;).

Und dann haben sie sich für sie entschieden. Ich war sehr sehr froh in dem Moment und bin auch jetzt noch zuversichtlich optimistisch, dass sie es gut haben wird. Besser jedenfalls als im Rehab Center und viel besser, als hier auf der Strasse.

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Und Drittens! Habe ich am Nachmittag eine Riesenwelle Dankbarkeit für mein Team in Berlin empfunden. Ich spürte plötzlich eine Entlastung, eine Erleichterung, während ich einen kurzen Bericht per Chat erhielt, wie schon sehr, sehr, sehr lange nicht mehr. Es fügt sich so vieles grade ganz wunderbar zusammen.

Und mitten in dieses Gefühl von Vertrauen, von Leichtigkeit, von abgrundtiefem Zutrauen platze plötzlich eine Mail von Francis, der mich darin einlud, im Board seiner gerade neu entstehenden Kéré Foundation mit zu helfen. Ist grad ja noch zu früh, die Tinte noch nicht trocken, um Euch hier mit Links und allem zipundzap zu versorgen (ihr müsst deshalb selber googeln, wen ich meine). Aber ich fühlte die große Ehre, auch schon eine grosse Verantwortung, und freute mich über die irre spannende Aufgabe!

So dreht sich immer alles weiter. So fährt das Pendel mit mir von Schwung zu Schwung durchs Leben, hin und her, immer weiter.

Sitze jetzt hier. Hab das grad in keinen dreissig Minuten runter getippt. Mach jetzt noch die Schreibfehler raus und schmeiss das in meinen Blog. Geniesse das Kribbeln und den Fahrtwind.

Wünsch euch ebenfalls einen schwungvollen Tag!

Veröffentlicht von Arne Krueger

co-founder of http://mtc.berlin · info tech service provider · zazen · horsemanship · photography

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