Hier und Dort

Bizimköy, 6:50, Tag 903

Heute ist es herrlich ruhig. Bin aus schönem Traum langsam aufgewacht. Glücklich wieder bei meinen Beiden Mädels zu sein.

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Der Flug gestern war etwas anstrengend, weil der Fuss nicht hoch liegen konnte. Ich hatte nen Fensterplatz dem Notausgang vorgezogen. Sass gleich in der Reihe dahinter und konnte so drei Stunden lang nicht nicht sehen, dass der Notausgang in dieser Maschine auch ein Fenster hat. Es gab weitere Herausforderungen, als der Herr vor mir seinen Sitz zurück stellte. Aber ruhiges Atmen und die viele Übung liessen es schnell vorbei gehen. Dann gönnte ich mir ein Taxi, statt des Busses und konnte das Bein schön hochlegen. Dann noch ein Abendessenkindergeburtstag bei Verwandtenbekannten. Nicht zu gehen, wäre çok ayıp, sehr peinlich. 

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Die krassen Unterschiede in der Kultur, dem Umgang miteinander fielen mir gestern Abend ganz besonders auf. Es fällt mir schwer, nicht zu vergleichen, einfach das anders sein, anzunehmen, nicht gleich zu werten oder zu verurteilen. Ein schönes Beispiel ist die offene Gastfreundschaft und Herzlichkeit, die mir immer wieder auffällt: der Hausherr steht am Tor und jeder, der vorbeiläuft, wird eingeladen, fast genötigt, etwas zu essen und mit zu feiern. Ein anderes Beispiel: die Feier fängt um 9 langsam an. Tagsüber ist einfach nicht üblich zu feiern, auch keine Kindergeburtstage.

Der Umgang mit den Kindern hier erinnert mich immer wieder an früher, an meine Kindheit, an die Erzählungen meiner Oma. Es fühlt sich dadurch sehr vertraut an, gleichzeitig auch fremd. Wenn ich beobachte, wie natürlich das hier läuft, und wie angestrengt sich das manchmal in Berlin anfühlt. Ein Gedanke ist, hier stimmt die Priorisierung noch. Unsere Kinder sind unsere Kinder. In Berlin fühlt sich das manchmal anders an, dort sind Kinder plötzlich der Sinn des Lebens, eine grosse Aufgabe, ein anstrengendes Projekt. Nicht so sehr in meinem Bekanntenkreis, eher in den Medien, den Schulen und auf den Spielplätzen.

Ein ähnliches Gefühl der Vertrautheit stellte sich ein, als ich gestern im Flieger seit Jahren mal wieder einen Spiegel komplett durchlas. Also das gedruckte Magazin, welches ich mir in der Lounge mit genommen habe. Die gleichen Geschichten Online alle zu lesen, hätte ich   nicht gemacht. Ich wäre schneller bei den Bildern gewesen, hätte eher weg geklickt. So habe ich aber, wie früher den Spiegel von hinten nach vorne komplett durchgelesen. Es hat erstaunlicherweise für den ganzen Dreistundenflug gereicht. Hängen geblieben ist nicht viel. Ein paar Artikel kannte ich schon, den über den #landesverrat von netzpolitik.org fand ich gut, emphatisch geschrieben, der Rest ist wirklich einfach so durchgerauscht. Hat keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, informative Unterhaltung.

Angenehm war sicherlich das Papier, das Handling beim Essen, im knappen verfügbaren Platz. Das einfach zu falten, umzuschlagen oder aufgeklappt, die Tischfläche zu vergrößern, das ist schon praktisch. Ich lese mehr und mehr auf dem iPhone 6Plus. Das liegt gut in der Hand und hat die richtige Größe für längeres Lesen bei knappem Platz, wie Flugzeug, Auto oder Bahn. Das iPad ist mir da schon oft zu gross, zu umständlich, wobei Filme sich auf dem größeren Display natürlich besser schauen und auch Bücher sich doch besser lesen lassen.

So, das wars für jetzt, die Stunde ist um. Der Tag beginnt! Wünsch Euch einen wunderbar, erholsamen Sonntag.

Veröffentlicht von Arne Krueger

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