Spiegel

Berlin, 5:57, Tag 866

Heute Morgen zeitig hoch. Hab intensiv geträumt, ein paar Bilder sind sogar nach Meditation und News noch da: Flugzeug, Zug, Schüsse, Flucht. Wach.

Grau in Grau, der Morgen. Regen. Kalt ist es nicht.

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Gestern war ein anstrengender Tag, trotz der Vorsätze. Mir wurde klar, wie umfassend ich alte Gewohnheiten verändern, ablegen muss. Voller Ärger und Trauer und Verzweiflung versuchte ich, trotzdem zu arbeiten, ein paar der dringendsten, wichtigsten Dinge anzugehen. Hab das leichteste genommen und zur Hälfte geschafft. Dazwischen viele gute Gespräche, die ich anfangs immer als ablenkend empfand. Will mich doch lieber allein durchbeissen, als Hilfe organisieren.

Wieder wurde die Idee stärker, mehr nach innen zu kommunizieren, mehr zu informieren über die halbfertigen Gedanken und getrübten Wahrnehmungen und voreiligen Schlussfolgerungen. Ihr merkt schon, meine Abwertung schwächt in mir die Kraft, es einfach zu tun. Der Zweifel, die Bewertung, das viele Denken zum Tun verhindern heute, dass ich es einfach mache. Auch das eine Gewohnheit. Aus Angst geboren: nicht anecken. nicht verstehend. nicht verstanden. nicht unterstützt.

Was noch?

Ah, der Spiegel. Der ungeliebte Spiegel. Noch eine weitere Einsicht. Ein sich wiederholender Grund für meinen Ärger oder Frust. In meiner Realität rege ich mich am schnellsten über mich selbst auf. Wenn ich mich in anderen wieder erkenne. Wenn ich Verhalten entdecke, das ich bei mir nicht mag. Wenn mir jemand mit seinem Verhalten einen Spiegel vorhält, in dem ich mich selbst wieder erkenne. Nicht die Stärken. Nein, es geht um die Schwächen. Das bewusstlose Antworten. Das Aufschieben. Das Reden, statt Machen. Die Selbstsuggestion, statt Stille. Ego, statt Wir. Scheinbar schon zu wissen, statt zu lernen.

Hab gestern Abend einem Vortrag zugesagt. Einem weiteren übers Scheitern. Wird der zweite in diesem Jahr sein. Einmal deGUT und nun auch noch IPServiceWorld.

Will über die Veränderung des Begriffes Erfolg in den letzten zehn Jahren sprechen.

Wie mich wiederholtes Scheitern bei der Umsetzung von Projekten, Zielen, Aufträgen, vor allem durch genaueres Schauen, durch mehr Ehrlichkeit, durch Betrachtung aller Seiten dazu gebracht hat, meine Erfolgskriterien zu verändern. Heute erweitere ich die meist singulären Erfolgskriterien unserer Gesellschaft um: Gelerntes, Getanes, Gewonnenes. Ich suche im Scheitern, im Verlust, im Versagen nach dieser anderen Seite. Und gewinne Zufriedenheit. Und Glück. Und Erfolg.

Kontrolle ist Illusion. Wir tanzen nur. Wir schwingen hin und her. Wir glauben, wir hätten noch Zeit. Wir denken, wir können kontrollieren. Dabei können wir nur wahrnehmen, nur achtsam sein, nur bewusst sein. Wir fühlen, wir denken, wir werten, wir wollen, wir wollen nicht, wir ignorieren.

Alles nicht wichtig, nicht entscheidend. Das wird aus unserem Ego, meiner Vorstellung eines eigenständigen Arne, eines eigenen Selbst geboren.

Diesem Film bei seiner Vorführung, mir selbst beim Träumen zu zusehen, ist das größte Geschenk überhaupt. Diese Perspektive fühlt sich an, wie eine andere Dimension, wie eine wirkliche Freiheit im Sein. Diese Vorstellung relativiert und balanciert. Und ängstigt mich zur gleichen Zeit. Nichts, aber auch nichts hat Bestand, nicht mal meine eigenen Vorstellungen, meine eigenen Grundsätze, Werte und Erfahrungen.

Nur meine Taten bleiben. Nur sie sind der Boden auf dem ich steh!

Wünsch Euch berührt, verwirrt einen entspannten Dienstag!

Veröffentlicht von Arne Krueger

co-founder of http://mtc.berlin · info tech service provider · zazen · horsemanship · photography

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