Chance oder Glück

Berlin, 6:05, Tag 853

Heute mal fast ausgeschlafen, hab schon gebügelt für die nächsten drei Tage und auch sonst schon ein wenig aufgeräumt, ganz achtsam, trotzdem unruhig. Schon wieder Reisetag. Heute gehts zur Patinfo nach Ilmenau, auch eine der Traditionen von mtc und mir, schon seit 2006 sind wir dort jedes Jahr.

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Jetzt nehme ich mir gleich mal vor, nachher weiter zu schreiben. Und gebe meinem Impuls, meine letzten Sachen für die Reise zu packen, schon mal runter zu gehen, die Kaffeemaschine anzustellen und doch einfach nachher weiter zu schreiben, jetzt mal nach.

Nun sitze ich beim Frühstück in der Espressolounge und schreibe weiter. Es ist schon halb 9, etwas spät für mich. Renne leise weg, vor ein paar administrativen Aufgaben.

Gestern war ein intensiver Tag. Hatte Zugriff auf viel Trauer. Um mich herum und in mir. Habe Mechanismen verstanden, noch nicht mit dem Herzen, aber mit dem Kopf. Ein paar dunkle, blinde Flecke haben etwas Licht abbekommen.

Es geht ums Tun, und nicht ums Sein.

Was tun wir und warum? Wir haben alle unsere eigenen Realitäten. Jeder kämpft einen Kampf, für sich allein. Und zusammen. Wir erwarten Richtung und manchmal auch Rettung im Aussen. Klarheit, wenn wir sie irgendwo spüren, zieht uns magisch an. Und genau so stark stösst sie uns ab, spüren wir Angst. Und dort, wo es Angst gibt, ist Ärger und Trauer nicht weit entfernt.

Wenn ich hinter meinen Ärger schaue, erscheint fast immer Trauer. Wenn ich hinter meine Angst schaue, erscheint fast immer auch Trauer. Wir haben uns schon so sehr daran gewohnt, dass wir das oft nicht wahrhaben können. Der andere begreift mich nicht, versteht mich nicht, hört mich nicht, sieht mich nicht.

Da sein! Aushalten! Es vorüber ziehen lassen. Es zieht immer vorüber. Manchmal dauert es Sekunden, manchmal sind auch diese einfach nicht auszuhalten.

Zugriff auf sein Herz, auf seine Intuition zu wagen, und danach zu handeln, ist eine grosse Aufgabe. Nicht aus der Angst, dem Ärger oder der Trauer heraus. Nein, aus einem offenen, verwundbaren Herzen heraus, vertrauend auf sich, den anderen und das Leben an sich.

Das, und nur das lindert etwas von Leid, verstärkt unsere Spannungen, verstärkt unsere Ignoranz nicht weiter.

Dazu gehört nicht nur Mut oder Hoffnung oder Entschlossenheit, etwas zu ändern. Dazu gehört auch etwas Glück. Dazu gehört immer auch, dass wir die Chancen und Möglichkeiten, die uns der gegenwärtige Moment bietet, sehen wollen, sehen können und es aushalten, was wir da sehen.

Aus liebevoller, selbstloser Freundlichkeit, sich selbst und anderen gegenüber zu handeln, erfordert nicht immer nur Anstrengung. Oft ergeben sich Situationen, in denen wir die Wahl haben.

Das Leben erhöht die Dosis, unerbittlich, wenn wir diesen Situationen im Autopilot begegnen, wenn wir uns von der falschen Hoffnung auf Rettung leiten lassen.

Heute fahre ich los. Ich freue mich auf den Reisetag, halte meine Erwartungen klein, setze einen Schritt vor den anderen. Alles hat seinen Sinn. Alles ist immer schon gut.

Das Leben als Chance begreifen. Das Glück zu spüren, welches jetzt möglich ist, wenn wir helfen, wenn wir dankbar sind, für all die Chancen, die wir uns erarbeiten, erleben, erspüren. Dankbarkeit für unser am Leben sein, Dankbarkeit für unsere Chancen zu empfinden, macht per se glücklich. Mich zumindest.

Ich hoffe, Euch auch ein wenig. Wünsche Euch erleichtert einen glücklichen Tag!

Veröffentlicht von Arne Krueger

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