Im Hier und Jetzt

Istanbul, 5:58, Tag 849

Gestern habe ich dann doch tatsächlich den 1.000 Post hier geschrieben. 849 davon, mit einer kleineren Unterbrechung, hintereinander weg, consecutive, ununterbrochen. Fast. 😉

Hier ist Mistwetter, 20 Grad, bewölkt, ein Wolkenbruch am Nachmittag. Eigentlich wollten wir ins Sommerhaus übers Wochenende, mal nach dem Rechten schauen, Fisch grillen, auf der Terasse im Garten sitzen, am Strand spazieren. Wenn ich so aus dem Fenster schaue, glaube ich das grad nicht. Wir haben uns schon sehr gefreut darauf. In Facebook sehe ich seit Wochen schon die Posts aus den vergangenen Jahren, in denen wir schon im Mai das ein oder andere Wochenende aus der Stadt verschwinden konnten.

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Nun warte ich die ganze Zeit -schon Mails beantwortend- ab, ob ich noch ein schöneres Bild mit vielleicht einer durchscheinenden Sonne oder einem kurzen Blick durch die Wolken erhasche: nope!

Diese Woche war sehr intensiv! Echt jetzt! Irre voll und abwechslungsreich.

Wollte gestern eigentlich frei nehmen, das hat nicht geklappt, dafür haben wir das Financial Approval vom Einkauf für unseren bisher grössten Einzelauftrag erhalten. Ist doch auch mal was. Mit ein paar Stunden Excelarbeit, ein paar Mails und Telefonaten ging es gegen 5:30 gestern Abend dann gut aus. Es gab eine feste Deadline. Entweder gestern Abend oder erst wieder in fünf Wochen, das spornte mich sehr an.

Und irgendwie bin ich immer noch ein Last Minute Man.

Ich liebe diese Spannung zu sehr, ich habe erst kurz vor einer Deadline das Gefühl, richtig am Leben, und erst dann richtig gut zu sein. Wichtigen Kunden gegenüber lege ich solche Sachen offen, dann wissen die einfach, wie sie ihre Termine mit mir kommunizieren müssen.

Was für eine schöne, vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich ist, wenn wir mit den Menschen und nicht deren Funktionen arbeiten! Ohne Erwartungen, mit Zielen.

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Die Sonne kam nicht mehr raus, aber wenigsten haben die Möven eine Versammlung in der Luft abgehalten, und sich lautstark unterhalten, wo sie denn nun frühstücken wollen. Eine Rabenmutter hat mittendrin versucht, ihrem Nachwuchs die Flugangst zu nehmen. Der blieb aber lieber auf seinem sicheren Balkon sitzen.

Gestern Abend habe ich noch Pläne geschmiedet.

Ich solle die Welt verändern und nicht die Technlogieprobleme meiner Kunden lösen, sagte der Kapitalist zu mir. Meine Antwort im Innern war eindeutig: ich verändere doch die Welt, allein dadurch, dass ich am Leben bin.

Und wenn ich dann zum Lebensunterhalt von knapp 100 Familien beitragen kann, was gibt es schöneres? Wenn ich bei Problemen der Mitarbeiter bei mir und meinen Kunden helfe, verändere ich die Welt! Unsere Suche nach Bedeutung, nach Sinn im Aussen, weit weg, in der Zukunft bei scheinbar Schwachen und Armen ist so oft scheinheilig. Es gibt so viel Leid, so viel Schmerz gleich vor unserer Nase, dass es doch oft ein Wegrennen genau davor ist, was uns zur Wohltätigkeit wo anders, wann anders antreibt.

Diese Einsicht schmerzt viele, weil sie sie auf sich selbst zurück wirft. Ihnen den Ausweg nimmt. Ihnen ihre Hoffnung auf eine Lösung ausserhalb ihrer selbst nimmt.

Jedes Lebewesen braucht unsere Hilfe, die Aufgabe ist unendlich gross! Deshalb sollten wir unsere Kraft dort einsetzen, wo sie am wirkungsvollsten ist. Im Hier und Jetzt! Wenn wir das nicht tun, leben wir in Illusion und nicht in Hoffnung.

Und wieder verstehe ich die Worte, die ich schreibe nicht wirklich.

Deshalb fahren wir jetzt einfach los! Ab durch den Regen, den Akku füllen. Die Arbeit mal zwei Tage nicht den Tag bestimmen lassen.

Wünsche Euch dankbar, ein schönes Wochenende!

Veröffentlicht von Arne Krueger

co-founder of http://mtc.berlin · info tech service provider · zazen · horsemanship · photography

Ein Kommentar zu “Im Hier und Jetzt

  1. Last-minute-man … Danke für den Begriff. Ich wusste nie, wie ich das bezeichnen sollte, ich bin eine last-minute-woman, zumindest was meine Steuerangelegenheiten betrifft. 🙂

    Dein Beitrag gefällt mir insgesamt gut!
    Schönes Wochenende. Sk

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