Über kongnitive Dissonanz und Macht

Noch Istanbul, 5:41, Tag 844

Heute Morgen bin ich wieder unruhig, sehr zeitig aufgestanden. Hab keine Erinnerung an meine Träume, die Arbeit und das Losfahren bestimmen die Gedanken am Morgen. Die Meditation war ebenfalls sehr unruhig.

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Gestern habe ich zwei Vorträge der diesjährigen re:publica nachgeschaut, die ich mir angeschaut hätte, wäre ich hin gegangen. Einmal Felix Schwenzels „Kongnitive Dissonanz“. Ein unterhaltsamer, herrlicher Vortrag über Wahrnehmung und Realität.

Kann ich wirklich empfehlen! Eine halbe Stunde kurzweilige Unterhaltung zu einem Thema, dass uns alle beschäftigt. Wie reagieren wir auch technologische und gesellschaftliche Veränderungen gerade jetzt, in der Zeit der umfassenden Digitalisierung unserer westlichen Welt. Wie gehen wir damit um, dass wir plötzlich im Netz mit anderen Realitäten konfrontiert werden?

Seine finalen Ratschläge für den Umgang damit, hier von mir ganz kurz kommentiert zusammen gefasst:

  • ständige überprüfung der filter unserer wahrnehmung
  • selbstreflektion
  • !ichbezogenheit erkennen, loslassen des eigenen ego’s
  • inseln der vernunft finden, ähnlich fühlende und denkende menschen unterstützen
  • humor ist das gegenteil von ideologie, vor allem über eigene ansichten lachen
  • ambiguitätstoleranz stärken, widersprüche aushalten u. schätzen, inklusion

wahrheit ist immer ein kompromiss

Wirklich sehr, sehr schön und gut! Danke!

Dann habe ich aufgrund dieses Videos meinen Dauerauftrag für Netzpolitik verdreifacht. Das Team um Markus Beckedahl verdient einfach meine direkte finanzielle Unterstützung, es ist mein kleiner Beitrag gegen diese schreiende Dummheit und Ungerechtigkeit der grossen Konzerne und der Politik, die so vieles nicht verstehen und einfach nicht damit ungesehen durchkommen dürfen.

Cory Doctorows schnellsprech Vortrag habe ich vor Jahren schon einmal live gesehen, er hinterlässt mich ratlos verzweifelt, ob der Gefahren und des Leids, das durch diese dummen und ungerechten Akteuere in unserer Welt erzeugt wird und noch werden kann.

Ein grossartiger Denker und sehr polemischer Redner. Es ist für mich kaum auszuhalten, aber gestern ging es. Als ich am Ende wieder dachte, ohmann, so pessimistisch kann man die Welt doch nicht sehen, es muss auch eine andere Interpretation sehen, griff er genau das selbst auf.

Sein Pessimismus möchte er hoffnungsvoll interpretiert sehen, er hat Hoffnung, dass wir durch unsere eigenes Handeln doch etwas ändern, dass wir nicht aufgeben sollen. Das hat mich etwas mit ihm versöhnt.

Seine Hauptthesen:

tell others people, what you have done! dark age/alchemie became enlightment/science.

Wir sind aus dem Mittelalter in die Aufklärung gekommen, weil wir plötzlich unserer Forschungsergebnisse (auch dank des Buchdrucks) plötzlich mit anderen teilen konnten, so dass andere nicht die gleichen Fehler immer wieder machen mussten bzw. andere an unseren Erkenntnissen teilhaben konnten.

Die Erfindung von general purpose computing (turing complete) im zweiten Weltkrieg ist eine der grössten Errungenschaft der Menschheit. Die Konzerne und die Politik wollen diese Entwicklung kontrollieren, weil sie Machtverlust bedeutet.

whishful thinking, regulation – kills the turing complete computing

Konzerne und Regierungen verbieten uns, Schwachstellen in Software und Hardware auszunutzen, wir dürfen sie nicht offen legen, nicht verbreiten (Knacken von Verschlüsselung). Die NSA selbst, hält diese Schwachstellen geheim und nutzt sie für Überwachungszwecke aus. Es wirkt wie eine Rückkehr ins Mittelalter.

Die Ungerechtigkeit in dieser Welt werden immer größer, die Verteilung des Wohlstandes immer disproportionaler. Und dadurch haben wir zwei Möglichkeit: wir stärken die Sicherheitsindustrie, die Überwachung, die Polizei und das Militär, um uns gehen „unsere Gegner, die Terroristen die an unseren Wohlstand wollen“ besser zu verteidigen, oder wir ändern die Verteilung und investieren in Sozialsysteme.

Die 400 reichsten amerikanischen Familien, kontrollieren mehr Vermögen als die 300 Millionen restlichen Amerikaner. Die überwiegende Mehrzahl dieser 400 hat ihr Vermögen ererbt. Die ökonomische Macht ist in sehr wenigen Händen konzentriert, das verursacht unseren Überwachungsstaat, auch weil sich durch die Digitalisierung der Aufwand für eine Totalüberwachung dramatisch gesunken ist. Denn wir helfen alle kräftig mit, durch unsere Smartphones und unser Verhalten bei der Nutzung des Internets.

Oha! Was für ein Morgen, ihr merkt schon… so, jetzt muss ich los!

Wünsch Euch einen tollen Start in die neue Woche!

Veröffentlicht von Arne Krueger

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