Berge

Berlin, 5:17, Tag 839

Heute Morgen bin ich ausgeschlafen zeitig aufgewacht. Hatte mal keine Erinnerung an meine Träume. Der zeitige Morgen, die Dämmerung zieht grade auf, alles ist ruhig. Ich mag diese Stunde allein.

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Hab ein paar Fotos gemacht heute morgen, das hier war das optimistischste. Wenn ich die Stunde des Sonnenaufgangs komplett beobachte, bin ich immer wieder überrascht, wie sehr unterschiedlich, wie stark und schnell sich das Licht und die Wolken verändern.

Gestern war ein sich wiederholendes Thema, die Berge die wir vor uns selbst aufbauen.

Manche Aufgaben erscheinen immer wieder, und werden immer wieder verschoben. Eine dieser Aufgaben ist bei uns die Erstellung von guten Dokumentationen. Wir schreiben auf, dass wir Dokumentation machen wollen, geben der Aufgabe ein Datum in zwei, drei, vier Wochen und wenn diese Wochen dann um sind, haben wir nichts daran gemacht.

Wir stehen vor der Aufgabe, wie vor einem Berg.

Jedes mal, wenn sie in unserem Augenwinkel erscheint, denken wir vielleicht: ja, das müssen wir noch machen, aber wir finden keinen Anfang.

Wir stehen wie vor einem grossen steilen Berg. Und wir wissen, der Aufstieg dauert ein paar Tage, aber da wir heute nur noch ein paar Stunden haben, laufen wir gar nicht erst los. Wir warten ab.

Die Aufgabe verschwindet aber nicht. Sie holt uns wieder ein. Normalerweise wird der Druck mit der Zeit größer, diesen Berg zu besteigen, die Dokumentation endlich in eine Form zu bringen und zu vervollständigen, sie fertig zu machen. Trotzdem, warten wir ab, denn wir finden keinen Anfang, sehen nur die steilen Hänge, den weit entfernten Gipfel.

Dann fangen wir an, zu rationalisieren. Wir haben nicht genügend Zeit, wir haben so viele andere wichtige Aufgaben. Wir wissen nicht genug. Der Kollege könnte es doch viel besser. Der Kunde hat ja gar nicht genau spezifiziert, wie die Doku auszusehen hat. Vielleicht schieben wir die Aufgabe erst mal nach oben oder zur Seite, in dem wir uns überlegen, was wir von wem erst mal alles brauchen, um sie zu erfüllen.

Wir kochen nicht, wir shoppen!

Wir können nur mit den Zutaten kochen, die schon in der Küche vorhanden sind. Wir könnten loslaufen, wir könnten anfangen, aber weil wir uns einreden, nicht alles zu haben, was wir dazu benötigen, bleiben wir, wo wir sind.

Wir laufen nicht, wir schauen!

Aber einen ersten Schritt in Richtung des Anstieges zu gehen, ist gar nicht so schwer. Bein heben, kurze Bewegung, wieder senken. Geschafft. Wir sind los gelaufen. Jeder Schritt in die richtige Richtung hilft.

Ignoranz und Dämpfung, Wegschauen hilft nicht. Diese Mechanismen in uns zu sehen und uns dann positiv, vertrauend, uns selbst etwas zutrauend der Aufgabe, des anstrengenden Aufstieges zu stellen, ist einfacher als wir uns selbst einreden wollen.

Was hilft, ist die Aufgabe in kleinere Aufgaben zu zerlegen. Was kann ich heute schaffen? In welche Teilabschnitte kann ich den Aufstieg zerlegen. Wo ist der erste Zwischenstopp? Um dies zu tun, brauche ich zuerst einen Überblick, eine Art Landkarte. Welche Strecken gibt es? Wo ist das Basislager, wo ist Lager 1, wo Lager 2, und so weiter. Wenn ich weiss, welche Strecke ich in dieser Woche, an diesem Tag zurück legen kann, dann stehen wir plötzlich nicht mehr vor einem riesigen Berg, sondern nur noch vor einem kleinen ersten Hügel. Wenn wir diesen geschafft haben, ist der Gipfel zwar immer noch in weiter Ferne, aber wir wissen, wir ahnen und fühlen, dass wir ihm schon ein Stück näher gekommen sind.

Erst die Kippe in Brand, dann das Pferd aus dem Graben.

Dieser Spruch aus meiner Kindheit fiel mir eben ein. Und gleich danach:

Auf in den Kampf, die Schwiegermutter ruft. Siegesgewiss, klappert ihr Gebiss.

Diesen Spruch muss man singen, ein Kampflied. Mit diesem Lied auf den Lippen, laufe ich jetzt los, mache etwas, bewege mich, setze einen Fuss vor den anderen.

Wünsche Euch einen spannenden Tag in den Bergen! Ich weiss, es lohnt sich!

Veröffentlicht von Arne Krueger

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