Welle machen

Berlin, 5:44, Tag 833

Heute Morgen war ich sehr müde und erschöpft. Ich glaub, die letzten drei Tage Dauerfeuerwerk und zu wenig Schlaf sind dafür verantwortlich.

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Die Nachricht gestern erinnerte mich daran, dass es jederzeit vorbei sein kann. Mit allem. Es fing am Morgen auf Facebook an und setzt sich den Tag über fort.

Erinnerung an die Einsicht in die Unbeständigkeit unseres Lebens.

Krankheit oder Unfall und alle Pläne, aller Ärger, alle Sorgen, alle Ziele, alles Sehnen, alles Träumen hat ein Ende. Unerbittlich. Unausweichlich.

Und wir ignorieren nach Kräften diesen Fakt und stemmen uns dagegen.

Nein, es ist nicht wahr, sagt die Welle, ich bin nicht nur Wasser! Ich bin Welle, ich fühle es, Du kannst es doch auch sehen. Ich bin Welle!

Ausrufezeichen. Ende. Punkt.

Bestimmte Menschen in bestimmten Situationen stören mich. Sie ärgern, provozieren, enttäuschen, lösen sie negative Gefühle in mir aus.

Meine Standardreaktion: ich ärger mich, ich lass meine Ablehnung, mein negatives Gefühl an die Oberfläche, verziehe das Gesicht, spanne den Körper an, wende mich ab, erhebe die Stimme, senke die Stimme. Ich geh rein in den Ärger und lass ihn machen.

Warum? Nein, das ist nicht die richtige Frage. Was ist die Wurzel? Woher kommt das? Und was habe ich davon? Was ist die Frucht?

Anstrengend, empfinde ich diese Praxis. Es gefällt mir nicht, was ich dort als Antwort sehe. Vor allem, wenn ich nach der ersten Antwort weiter schaue und einfach immer weiter frage, in der zweiten, dritten, vierten Ebene.

Wem das auch zu anstrengend ist, aber trotzdem etwas ändern möchte, dem empfehle ich wieder zurück zu Schritt Eins. Konzentrier dich auf das Positive, auf den Überfluss, auf das Schöne, der jeweiligen anderen Person.

Sicher, man kann sich über alles aufregen, aber Aufregung an sich bringt nichts, aber auch gar nichts. Wenn man nicht handelt. Wenn man sich selbst nicht bewegt. Und wie oft regen wir uns nur auf, tratschen, lamentieren und machen dann doch nichts.

Mein Ärger ist eine meiner Methoden, mich ins Handeln zu bringen. Es ist der scheinbar einfache, aber schmerzhafte Weg. Zu allererst für mich, dann für die anderen!

Ich schreib das hier, um es wirklich zu verstehen. Weil ich denke, Verständnis, Einsicht hilft mir, mich zu ändern, weniger zu leiden, weniger Leid zu verursachen. Und im Anfang steckt schon der Fehler: weil ich denke… es ist diese Einschränkung, die ich mir selbst auf erlege, die der wahren Transformation im Weg steht.

Selbst das weiss ich, fühle ich.

Und doch bleibt nur der Weg, es auch zu tun! Sehr stark wahr heute morgen mein Ärger und meine Ablehnung gegen alle diejenigen, die erst Quatschen, erst Ankündigen, erst erzählen, was sie alles wissen, was sie alles könnten, was sie alles sollten. Ich will das nicht mehr! Ich will vor allem in der Arbeit, eigentlich nur noch schreiben, was ich getan habe! Und nicht, was ich tun möchte.

Habe gestern in drei Mails den jeweils letzten Absatz wieder gelöscht, in dem stand, was ich als nächstes tun möchte. Nicht weil ich es nicht tun werde, aber weil die Ankündigung einfach nichts tut, nichts bringt, nichts macht, ausser Anerkennung fordert, ausser Aufmerksamkeit auf mich, mein kleines Ego zieht.

Als ob, ich meinen Akku damit aufladen möchte, um es dann erst zu tun. Weil mein Akku leer ist, weil ich nicht gelernt habe, meinen Akku selbst zu fülle, mit Liebe, mit Freude und Lust am Leben.

Deshalb schreie ich raus: ich müsste mal wieder diese Blog hier verbessern, mehr schreiben, dies tun, jenes lassen. Und nun, gebt mir, liebe Leser, jetzt die Kraft und die Mittel, dies jetzt auch zu tun. Lest und Kommentiert und Liked hier wie die wilden, weil sonst, ja sonst, mach ich es einfach nicht.

Was ist das bloss für ein bescheuerter Mechanismus!

Veröffentlicht von Arne Krueger

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