Über Krieg

Berlin, 5:11, Tag 831

Heute Nacht habe ich von einer langen Baracke geträumt. Ich sollte Vorhänge im linken Teil zu ziehen. Viele Räume, an einem langen Flur. Schwere Decken, die bis zum Boden reichten. Gemeinsam mit ganz alten Freunden hatte ich noch mehrere andere Aufgaben zu lösen. Es schien nur das Ende eines viel grösseren Traumes zu sein, dessen Anfang ich aber beim sehr zeitigen Aufwachen schon vergessen hatte.

IMG_4851

Empathie statt Ärger und hartes Feedback schnell geben, schreibt Boz grad heute morgen in meinen Facebook Feed. Wieder mal sehr passend! Der gestrige Tag war voller Unruhe und unterdrücktem, verstecktem Ärger über mich selbst. Schräg, wie schwer es mir manchmal fällt, mich selbst gut zu behandeln, gut über mich zu denken und ruhig zu bleiben.

Ich bin es so gewohnt, mich über etwas aufzuregen und dann mir selbst und anderen Druck zu machen. Eine starke Gewohnheit, lange Jahre geübt. Weg von Typ eben. Gut darin, Missstände, Fehler, Schwächen zu erkennen und dies als Motivation zu benutzen. Wenn ich auf dieser Strasse gehe, dann fällt es schwer, andere Motivationen zu sehen und zu nutzen. Die, von einem gemeinsamen Ziel oder Ideal oder gemeinsamen Werten. Der Fokus liegt ja auch dem, was nicht funktioniert, nicht gut ist!

Man kann diese Fehler dann sicher weg rocken, mit Brute Force, mit Arbeit bekämpfen, weg machen. Aber das ist im Grunde wie Krieg. Man will mit Aggression und Gewalt seine Ziele erreichen und wenn man sie erreicht hat, dann soll und kann und darf Frieden herrschen. Und doch erzeugt man nur mehr Leid.

Und weil es kurzfristig so überaus gut funktioniert, übersehen wir die mittelfristigen Nachteile, die Schwächen und Kollateralschäden, ja wir belügen uns selbst.

Gestern schreibt Jochen Todenhöfer auf Facebook u.a. folgendes:

Die Befürworter von Drohnen behaupten, Drohnen schützten das Leben unserer Soldaten. Das ist ein Denkfehler. Das Leben der Soldaten schützt man am besten dadurch, dass man Kriege erschwert und durch Verhandlungen überflüssig macht. Nicht aber dadurch dass man Kriege erleichtert.

Drohnenangriffe sind Terrorzuchtprogramme, die am Ende auch unsere Soldaten, unsere Zivilbevölkerung und unsere gesamte Werteordnung gefährden. Wenn auf der ganzen Welt Killerdrohnen eingesetzt werden, wird es weltweit immer mehr Terroristen geben. Unsere Terroristen-Jäger merken noch immer nicht, dass sie Terroristen-Züchter sind.

Ich bin für starke, moderne Streitkräfte zur Verteidigung (!) unseres Landes. Damit potentielle Feinde nie auf dumme Gedanken kommen. Aber nicht, um Angriffskriege zu führen. Zur Verteidigung braucht Deutschland keine Killerdrohnen.

Ein weiter Sprung, aber all das beginnt bei mir und hat etwas ganz konkret mit mir zu tun. So lange ich glaube, mit mehr Ärger statt mehr Empathie Probleme lösen zu können, mache ich nur meinen Ärger stärker. Mit dem Lösen des einen Problems, züchte ich einen Haufen neue Konflikte.

Es ist Angst, die das mit mir macht. Und meine Angst in mir zu transformieren, und mich nicht mehr beherrschen zu lassen, das ist mein Weg.

Wünsche Euch frohen Mutes einen schönen Dienstag!

Veröffentlicht von Arne Krueger

co-founder of http://mtc.berlin · info tech service provider · zazen · horsemanship · photography

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: