Menschlich

Berlin, 6:00, Tag 820

Heute Nacht habe ich so schön geträumt. Irgend etwas in einer Gruppe, gemeinsam wurden wir Runde um Runde immer besser. Am Ende stand eine Verwandlung zu etwas. Ich hab alle Details, trotz beim Aufwachen voll vorhandener Stimmung, nicht mehr erinnern können. Das Suchen nach den Spuren des Traumes, erinnerte mich an Unbeständigkeit. Bin müde etwas zu spät aufgewacht.

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Jetzt hab ich einen Teil meiner morgendlichen Schreiblaune in eine Deeskalationsmail investiert. Also, ich habe mir ein paar Gedanken gemacht, wie wir auf ein: wir haben uns entschieden, nicht mehr mehr Euch arbeiten zu wollen, handeln aber nicht entsprechend, sondern sagen Euch das erst mal nur, damit ihr Euch dann noch mehr anstrengt als bisher schon.

Fakt ist, unsere Kunden verdienen einen tollen Service! Fakt ist auch, wir wollen einen tollen Service erbringen. Spannend wird es immer dann, wenn ein Kunde, ein Empfänger von Dienstleistungen, über einen längeren Zeitraum unzufrieden mit uns ist. Spannend wird auch, wenn wir als Dienstleister über einen längeren Zeitraum unzufrieden mit unserem Kunden sind.

Ein wichtiges Thema dieser und auch letzter Woche schon, war der Umgang miteinander auf Augenhöhe: von Mensch zu Mensch. So viele reden mit dem Oberchef, statt mit mir. So viele reden mit dem Dienstleister, statt mit mir. So viele reden mit dem Kunden, statt mit mir.

Oft verwechsele ich mich, als Mensch, mit meiner Rolle, meiner Funktion, meinem Titel, meinem Selbstbild, meinem Wunschbild. Oft über- oder öfter unterschätze ich meine eigenen Fähigkeiten. Oft erkenne ich mein Verhalten nicht als solches. Vor allem erkenne ich meine eigene Untätigkeit, mein eigenes Nichtstun nicht als mein Verhalten an.

Konflikte entstehen aus der Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Vorstellung. Konkflikte sind Leid, sind negative Gefühle, sind Kontraktion, Enge, Schmerz, Krach.

Deeskalation.

Linderung bei Konflikten gibt es nur, wenn wir unsere Menschlichkeit erkennen, wenn wir unser Gleich sein, das uns Verbindende erkennen. Linderung gibt es nur, wenn  wir uns öffnen, wenn wir unsere Schilde senken, wenn wir gemeinsam ein- und ausatmen.

Linderung spüre ich dann, wenn wir uns in die Augen schauen und sich die Pupillen dabei weiten, wenn sich die Augenbrauen nach oben und die Mundwinkel sich auseinander bewegen, wenn sich die Bauchdecke entspannt, die Schultern sich senken.

Und nun wünsch ich Euch entspannt einen schönen Freitag!

Veröffentlicht von Arne Krueger

co-founder of http://mtc.berlin · info tech service provider · zazen · horsemanship · photography

2 Kommentare zu „Menschlich

  1. Ich kann das nur tausendfach unterstreichen. Und doch ist es so schwer, von der Sache zur Person zu wechseln, sich selbst in die Waagschale zu werfen, weil Kritik, Scheitern etc, dann eben nicht mehr die Funktion, sondern die Person trifft.

    1. jap! es ist schwer… ich versuch dann ja von der person weg, zum verhalten also der ursache und dem ergebnis der handlungen der person zu kommen. also meine ich nicht die person (was ist das überhaupt?) sondern deren handlungen. aber das ist auch eine unterscheidung, die andere probleme schafft. denn auch das ist schwer. viele lehnen die verantwortung für ihr (nicht-) handeln ab bzw. suchen die ursachen für ihr handeln nur im aussen, nicht in sich selbst.

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