Viele Gedanken über Nichts

Berlin, 6:56, Tag 801

Heute Nacht war sehr unruhig und ich habe mir meinen Traum nicht gemerkt. Hier ist noch ein halbes Krankenlager, aber wir bereiten uns auf unseren kurzen Urlaub vor und die Vorfreude lässt auch die Mädels schnell wieder fit werden.

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Es entwickelt sich hier gerade in meinem Kopf ein Dialog mit Himmelsscheibe. 😉

Die Assoziation mit dem inneren Zuhause lassen mich seit vorgestern nicht los. Ja, wir suchen doch sehr im Aussen nach Lösungen. Und so sehr entfernen wir uns dabei von uns selbst. Wir suchen und finden im Aussen, in anderen Menschen die Ursachen für unsere Gefühle und Gedanken.

Wir hängen diesen Illusionen an, wir brauchen sie, wir kämpfen dafür, dass es genau so ist, dass sie unsere Realität sind. Dabei selektieren wir unsere Wahrnehmung, filtern unsere Sinne. Wir wollen (nicht) verstehen, dass wir das Aussen benutzen, um uns unser Inneres zu rechtfertigen, zu bestätigen, zu entschuldigen.

Er hat aber x zu mir gesagt, …
S
ie hat mir doch y getan, …
Es ist mir doch x passiert, … 

Wir brauchen das. Unser Selbstverständnis basiert darauf. Unser Geist konstruiert sich dazu unser scheinbar eigenständiges Selbst aus diesem Aussen. Er erzeugt so unsere Identität, d.h. wir geben uns Bezeichnungen, sortieren uns in Kategorien und geben uns Eigenschaften, die genau unseren Erfahrungen, Erinnerungen und Erwartungen, Wünschen an uns selbst und unser Leben entsprechen. Wir untermauern das mit den positiven Gefühlen, die wir erspüren, wenn wir diesen Gedanken in uns Raum geben.

Ich bin doch Arne, der einen Vater, der anderen Mann, dem nächsten Freund…
Ich bin doch Berater, und dann Manager, und auch Inhaber…
Ich bin doch (un)ruhig, (un)glücklich, erfolgreich, gescheitert, entschlossen, schwach…

Ergänzt doch mal Eure eigenen Bezeichnungen, Kategorien und Gefühle: positive, wie negative. Macht mal eine kurze Inventur im Kopf, als wer und was und wie ihr Euch jetzt, heute Sonntag morgen seht, hört, fühlt oder denkt.

Nothing ever goes away until it has taught us what we need to know.
~Pema Chödrön

Das habe ich grade in zwischen meinen Fotos gefunden, die ich hier noch nebenbei importiere und sortiere, während Ihr noch mit der Inventur beschäftigt wart.

So wie das Zitat eben, so kommen auch oft Menschen, Situationen wieder und wieder scheinbar zufällig oder schicksalshaft in mein Leben. So lange, bis ich verstanden, bis ich gelernt habe, warum und wozu sie da sind.

Und so kommen auch unsere Bezeichnungen, Eigenschaften und Gefühle wieder und wieder in mein Leben. So lange, bis ich gelernt habe, warum und wozu diese da sind.

Einen Grund im Aussen zu suchen, eine Flucht nach Aussen zu wagen, führt mich dabei nur weg von meinem Zuhause, von meinem wahren Selbst. Die Antworten auf meine Fragen, die Lektionen, die ich im und vom Leben lernen kann, sind schon und nur in mir selbst vorhanden.

… … …

Auch die Nachfrage der Himmelsscheibe nach meiner Unterscheidung zwischen Ego und Selbstwertgefühl lässt mich seit gestern Mittag nicht mehr los. Auch hier suche ich nach den Ursachen und den Folgen meiner Unterscheidung.

Beim Schreiben waren es noch andere Gründe. Ich dachte im Aussen, an die grossen deutschen Manager, die Egos der Winterkorns und Piechs, über die grad in der letzten Woche so viel geschrieben wurde. Ich dachte an die Egos von Kollegen und von Menschen auf der Strasse mit grossen Autos, tollen Klamotten, wichtigen Aufgaben. Und ich dachte an die Selbstzweifel und Unsicherheiten, die ich bei den gleichen Anderen vermute, die ich vermutlich wahrnehme.

Später betrafen einige Gedankensplitter dann erschrocken mein eigenes Ego, mein eigenes Selbstwertgefühl. Ich erinnert mich. Ich kann manchmal beobachten, wie stark, wie gross das eine, wie schwach und klein das andere werden kann. Und ich bemerkte auch, wie sehr dieses Festhalten an beidem, etwas von dem Leid erzeugt, welches mich umgibt.

Doch dann die Lösung!

Es ist der Hungergeist, der uns nicht los lässt. Ein grosser Körper, ein grosser Magen, ein unstillbarer Hunger, ein Verlangen nach mehr, kommt unserem Ego gleich. Die Illusion unseres Egos, eines eigenständigen Selbst, etwas abgetrenntes, wir sind etwas, wir sind jemand und genau diese Vorstellung macht uns hungrig.

Im Gegensatz dazu steht unsere Fähigkeit, die Nahrung -die uns umgibt- aufzunehmen, zu zerkauen, zu spüren, zu schmecken, zu geniessen und zu verdauen, uns die enthaltene Energie zu erschliessen, uns nähren zu lassen.

Unsere Kehle ist schuld daran. Sie ist zu dünn, so spindeldürr und lang, so haarnadelfein, dass all das Essen, welches vor uns auf dem Tisch liegt, gar nicht von uns aufgenommen werden kann.

Und dies verbinde ich mit meiner Selbstwahrnehmung. Und abhängig davon, meinen Selbstwert, den ich mir beimesse.

Und ihr wisst, dass ich wenn ich hier von Essen rede, eigentlich unsere Beziehungen, unsere Arbeit, unsere Umgebung, das Wetter, die Kollegen, die Aufgaben, die Anerkennung, das Lob, die Sonne und die Luft meine, die um uns herum sind.

So entscheidet unsere Offenheit (die Dicke unserer Kehle) dafür, ob wir glücklich oder unglücklich, ob wir zufrieden oder unzufrieden sind, mit dem was wir haben. Unsere Offenheit entscheidet, ob wir glücklich oder unglücklich, ob wir zufrieden oder unzufrieden sind, mit dem was wir nicht haben. Und letztlich, ob wir uns diesen Zusammenhang überhaupt eingestehen können…

Doch glaubt mir nichts! Denn all die Konzepte und Gedanken über Nichts werfe ich nun weg, drücke befreit Publish, überlasse sie dem Netz.

Und wünsche Euch so erleichtert, einen luftig leichten, sonnig erholsamen Sonntag!

Veröffentlicht von Arne Krueger

co-founder of http://mtc.berlin · info tech service provider · zazen · horsemanship · photography

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