Lasst die Geschichten los

Istanbul, 6:21, Tag 788

Heute Nacht habe ich mich erst in unser Weisses Schloss geträumt. Es war viel größer, wie ein richtiges Schloss mit versteckten Wohnungen und Dachgärten, die ich noch nicht kannte. Dann befand ich mich plötzlich links in einem Flugzeug im Landeanflug auf Istanbul wieder. Viel zu schnell gingen wir in einer scharfen Linkskurve runter, die Häuser kamen immer näher und ich sah eine Strasse, auf der der Pilot offensichtlich notlanden wollte. Wir landeten und rutschten die Treppe hoch in eine Shopping Mall. Das Dach den Flugzeugs klappte komplett nach rechts und links auseinander und wir konnten in die Mall laufen. Die Passagiere zerstreuten sich sofort, als ob nichts wäre. Ich hatte die ganze Zeit mit dem Telefon fotografiert. Ärgerte mich, dass ich kein Video hatte und wartete auf die Sensationsreporter, die ja jeden Moment auftauchen mussten, um mir meine Fotos abzukaufen. Ich ging nach draussen. Dort klappte man die Türen des Einkaufszentrums grade zu, so dass man bis auf ein paar Kratzspuren im Asphalt nichts mehr von der Bruchlandung sehen konnte. Ein Reporter filmte diese Spuren mit seinem Team, er schaute sich uninteressiert meine Aufnahmen an und ich wachte weit vor dem Wecker auf. Dann träumte ich noch eine kurze Szene als Einparker eines richtig coolen Jeeps eines reichen Schnösels und stand auf…

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Der Traum war so schön lang. Weiss nun gar nicht, was ich weiter schreiben soll. Über gestern? War ein schöner Tag: früh Ostereiersuche, Frühstück bei Durak, dann ein schönes Restaurant testen, Aleyna beim Reiten zuschauen und dann Duschen, Gammeln, Lesen, Schlafen.

Drop the Storyline

Weiss nun gar nicht, wie ich das übersetzen soll. Es geht darum, dass ich mich oft aus dem Moment, aus dem Jetzt katapultiere, in dem ich irgendwelchen Geschichten, Erwartungen, Gedanken, Ängsten, Sorgen, Wünschen, Gefühlen nachhänge. Seit ein paar Wochen habe ich dann diesen Gedanken von: Lass die Geschichten los.

Ja, das geht als Übersetzung. Jede Menge Konflikte entstehen aus diesem inneren Dialog in mir, mit mir selbst. Meist höre ich das nicht mal. Meist merke ich das nicht mal. Ich merke nur, wie ich entweder ablehnend oder anziehend auf das reagiere, was um mich herum passiert. Ununterbrochen könnte ich reden, mit mir, mit meinem Gegenüber. Zu allem habe ich eine Meinung, eine Einschätzung, etwas zu sagen.

Auf den Gedanken, dass es auch anders geht, bin ich gestern gekommen:

Beim Aufräumen habe ich ein Video von mir gefunden, auf dem ich in 2min versuche zu erklären, was ich liebe. Ein älteres Projekt von meinem Freund Asmund, der Menschen eine Kamera ins Gesicht hielt und sie genau das fragte.

Als ich mir das anschaute, habe ich gemerkt, wie wenig ich bei mir und wie sehr ich beim Sprechen beim Zuschauer war. Sogar meine Rührung erschien mir gespielt. Ich hab mich kaum selbst erkannt hinter der Fassade, die ich dort sah.

Ok, ich bin wieder mal überkritisch mit mir selbst. Aber der Gedanke, der eigentlich kam war der, dass auch viel weniger Worte ausreichen würden. Und viel weniger, heisst viel viel weniger. Es ist hier ja so ähnlich, viele Worte verstecken viel.

Und deshalb schliesse ich den Post hier ab, knuddel meine Kleene und wünsch Euch einen wunderschönen Ostermontag!

Veröffentlicht von Arne Krueger

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