Das Wandern auf kritischen Pfaden…

Heute ist Reisetag. Es geht zurück nach Berlin. An Reisetagen ist mein wichtigster Meilenstein die Abflugzeit: 16:05.

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Je nachdem wie wichtig die Reise ist, plane ich die Fahrt- und Wartezeiten entsprechend, meist sehr großzügig. Da ich schon sehr viel fliege, ist mein „kritischer Pfad“ sehr kurz. In Berlin beträgt dieser ca 60min vom Aufwachen im Bergmannkiez bis zum Takeoff in Tegel für einen internationalen Flug am frühen Morgen.

Das ist eine phänomenal kurze Zeit für: Anziehen, Zähne putzen, Taxi rufen, Tasche schnappen, Treppen runter, Hof überqueren, Taxi fahren, Gate finden, Boardkarte drucken (ohne Gepäck), Passkontrolle passieren, Sicherheitskontrolle bestehen, Kaffee und Croissant kaufen, Toilette benutzen, Boarding, Setzen, Anschnallen, Abheben.

Dabei brauchen keine Regeln gebrochen, kein Gefallen erbeten, kein Ziel verschoben werden. Das Taxi fuhr nicht viel schneller als erlaubt, eingecheckt hatte ich am Vorabend, Gepäck habe ich meist keines, 5 min vorm Boarding setzte ich mich neben die Schlange der ungeduldigen, bereits anstehenden Mitreisenden.

Am 18. Oktober hatte ich verschlafen. Kommt sehr selten vor. Aber statt um 5 bin ich um 6 erst aufgewacht. Kurz fluchend erschrocken, und dann kurz entschlossen den Sprint gestartet. Und ich hab den TK1728 mit 7:00 Abflugszeit echt geschafft. Der eigentlich für 5:30 vorbestellte Taxifahrer kann als Zeuge dienen.

In Istanbul ist der Weg zum Flughafen etwa gleich lang. Und obwohl der Flughafen hier um viele Dimensionen größer als Tegel ist, schätze ich den kritischen Pfad etwa gleich lang ein. Meine Referenz hier sind die etwa 40 Minuten vom Touchdown auf der Landebahn bis in die Arme meiner Lieben, die ich am 31. Oktober abends brauchte.

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Die wichtigsten Zutaten für das Gelingen von Reisetagen – für das Wandern auf kritischen Pfaden – sind einerseits ganz offensichtlich und wohl allgemein anerkannt:

1. Planung und

2. Erfahrung durch Übung.

Das ist beim Reisen nicht anders, wie in (Software)projekten, wie eigentlich wohl überall. Planung ist notwendig, und dazu muss ich vorher die notwendigen Schritte im Kopf durchgehen, mir genau vorstellen, wie der Ablauf ist, wie und wann ich die Zwischenziele erreiche, wie lang die Wege sind, was die Regeln sind, was alles passieren kann. Um mir das klar und deutlich machen zu können, brauche ich Erfahrungen, Referenzen und Erinnerungen, kurz Übung. Ohne diese Erfahrungen ist die Planung mehr Wunsch, mehr Traum, als konkrete Vorstellung eines zukünftigen Geschehens und Handelns.

Intelligenz, Wille, Ausdauer oder auch Druck, Konzentration, Entschlossenheit spielen eine eher untergeordnete Rolle und führen zu Stress, Konflikten oder dazu, dass man auf das Brechen von Regeln oder das Einholen von Gefälligkeiten angewiesen ist, um dem kritischen Pfad nahe zu kommen.

Aber es gibt eine weitere, für mich die wichtigste, Zutat. Und das ist

3. Gelassenheit

Ich meine mit Gelassenheit eigentlich das Loslassen des Zieles, das ge…lassen…sein. Ich meine damit das Vertrauen in den Prozess, in mich, in die Stadt, die Menschen, das Leben selbst. Und das Vertrauen entsteht nur durch Hingabe und Aufgabe des eigentliches Zieles. Durch das Annehmen können, was auch immer passieren wird, ob man den Flug nun schafft oder nicht.

Ohne diese Gelassenheit ist das Wandern auf kritischen Pfaden jede Sekunde lang ein einziger Höllenritt! Nur mit dieser Gelassenheit können wir flexibel und angemessen auf die Herausforderungen des Weges reagieren, die Schwierigkeiten und Hürden angemessen und damit effizient überwinden.

Nur mit Gelassenheit fühle ich, dass ich wirklich am Leben bin!

 

Nachtrag (28.11.14): Neuer Rokord! Um 14:16 Anruf beim Taxifunk im Bergmannkiez. 14:49 nehme ich Platz auf 6A im Airbus TK1728 an Gate 4 in Tegel.

Veröffentlicht von Arne Krueger

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2 Kommentare zu „Das Wandern auf kritischen Pfaden…

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